RKI-Präsident Lothar Wieler (li.) und Gesundheitsminister Jens Spahn appellieren an die Vernunft der Urlauber. dpa/Fabrizio Bensch

In den Sommerferien reisen Millionen Deutsche ins Ausland. Das bereitet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) große Sorgen. Er warnt mit Blick auf die jüngsten Chaos-Partys am Ballermann vor wachsendem Leichtsinn in der Corona-Krise. Es müsse alles dafür getan werden, eine zweite Pandemie-Welle zu verhindern. Das liege auch in der Verantwortung der deutschen Touristen, die in besonders krisengeplagte Länder wie Spanien fliegen. 

Hunderte Urlauber feiern an der Playa de Palma. Betrunkene nehmen ihre Masken ab, flirten hemmungslos mit Frauen und umarmen Straßenhändler. Diese wilden Szenen, die sich vor wenigen Tagen auf Mallorca abspielten, sorgen in ganz Spanien für Empörung. „Das Virus hat den Sauf-Tourismus nicht töten können“, schreibt die örtliche Zeitung „Diario de Mallorca“. Und auch der deutsche Gesundheitsminister schaltet in den Alarm-Modus.

„Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird“, sagte Spahn am Montag. Der österreichische Ski-Ferienort gilt als ein Ausgangspunkt für die Verbreitung des Coronavirus auch in Deutschland. „Ich bin jetzt wirklich kein Spielverderber oder Spaßverderber oder Feierverächter - aber es ist halt grad nicht die Zeit dafür“, betonte Spahn. Gemeinsames Feiern erhöhe das Corona-Risiko. Wer sich im Urlaub anstecke, der könne auf der Rückreise im Flugzeug und dann zu Hause weitere Menschen infizieren.

Zweite Corona-Welle kann verhindert werden

Die Gefahr einer zweiten Corona-Welle im Herbst oder Winter sei real, aber keine Naturnotwendigkeit. „Die meisten wissen, dass Gruppenreisen zum Ballermann, dass Großveranstaltungen, dass Umarmen zur Begrüßung oder das Einkaufen ohne Maske momentan keine guten Ideen sind“, sagte Spahn.  

Um die Corona-Gefahren einzudämmen, hat Mallorca nun eine besonders strenge Maskenpflicht erlassen. Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren müssen im Freien künftig fast immer Nase und Mund bedeckt halten. Sonst setzt es ein Bußgeld von 100 Euro. Nur am Strand, am Pool, beim Sport, beim Essen und in der Natur außerhalb von Ortschaften darf man Gesicht zeigen. Das geht aus einem am Montag im Amtsblatt veröffentlichten Dekret hervor.  Veranstaltern von illegalen Partys drohen zudem Strafgelder von bis zu 600.000 Euro.

Die Warnungen vor wachsendem Corona-Leichtsinn betreffen aber nicht nur Mallorca, sondern Urlaubsreisen generell. Zuletzt war die Zahl der Infektionsfälle weltweit innerhalb von nur fünf Tagen von elf auf über zwölf Millionen gestiegen. RKI-Präsident Lothar Wieler sagte am Montag: „Wir sehen vor allen Dingen einen Anstieg von neuen Fällen aus Ländern, die trotz steigender Fallzahlen die Maßnahmen gelockert haben.“ Konkret nannte er Indien, Pakistan, Südafrika, Israel, die USA und einige Länder in Osteuropa. Teilweise seien die Lockerungen bereits wieder zurückgenommen worden. (mit dpa, AFP)