Der Screenshot von der Nachrichtenplattform Twitter zeigt ein Statement von Marina Ovsyannikova vor ihrer Aktion im russischen Fernsehen. dpa/Twitter

Große Sorge um die mutige russische Redakteurin Marina Ovsyannikova: Mitten in der Live-Ausstrahlung der Abendnachrichten auf dem Ersten Kanal des russischen Staatsfernsehens hatte sie ein Protestschild hochgehalten, mit dem sie gegen den Ukraine-Krieg protestierte. Damit hatte sie sich über das gerade erlassene Mediengesetz hinweggesetzt, das die Erwähnung des Krieges mit drastischen Gefängnisstrafen belegt.

Unmittelbar nach dem Auftritt wurde Marina Ovsyannikova verhaftet. Seitdem gab es keine Spur mehr von der Journalistin. Ihre Anwälte hatten seit der Verhaftung am Montagabend ergebnislos versucht, sie ausfindig zu machen. Ein Anwalt von Marina Ovsyannikova sagte dem Medium meduza, seine Mandantin sei zur Polizeibehörde im Moskauer Bezirk Ostankinsky in der Nähe des Senders gebracht worden. Eine Menschenrechtsorganisation erhielt von der Polizeistation die Antwort, dass sie dort nicht mehr sei. Erst am Dienstagnachmittag tauchte ein Lebenszeichen der Journalisten auf: Ihr Anwalt Aton Gaschinski postete ein gemeinsames Bild der beiden aus einem Gerichtsgebäude. >>>

Sorge um mutige Journalistin Marina Ovsyannikova

Zunächst war die Journalistin in einem Büro des Fernsehsenders festgehalten worden. Ein weiterer Anwalt fand sie in der Nacht dort nicht mehr vor. Eine weitere Anwältin von Marina Ovsyannikova, Anastasia Kostanowa, berichtete der britischen BBC, sie habe gemeinsam mit Kollegen die ganze Nacht nach ihrer Mandantin gesucht. Offenbar versuche man, der Journalistin den Rechtsbeistand zu entziehen. Kostanowa rechnet mit strengsten Strafmaßnahmen gegen ihre Mandantin.

Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass wurde bereits ein Verfahren gegen Marina Ovsyannikova eröffnet. Unterstützer des inhaftierten russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny wollen sich nun für die Journalistin einsetzen und Geldstrafen bezahlen, die gegen sie verhängt werden.