Maske auf! Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich bei den Corona-Tests im Freistaat eine schwere Panne geleistet. Foto: dpa/Peter Kneffel

Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den großen Krisenmanager. Doch eine Riesen-Panne bei Virustests für Reiserückkehrer bringt ihn nun in Bedrängnis. 44.000 Getestete haben tagelang keine Ergebnisse bekommen, darunter 1000 Infizierte. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bot deshalb am Donnerstag ihren Rücktritt an.

Vollmundig hatte Markus Söder versprochen: „Wir testen an der Grenze für ganz Deutschland.“ Doch die Übermittlung der Ergebnisse dauert so lange, dass die Corona-Tests für Urlaubsheimkehrer wertlos sind. Nach Bekanntwerden des Versagens sah sich Söder am Donnerstag gezwungen, einen Besuch bei seinem Kieler Amtskollegen Daniel Günther (CDU) abzusagen. Stattdessen setzte er in Bayern eine Krisensitzung an.

Das Gesundheitsministerium des Freistaats versprach, Hunderte positiv Getestete bis Donnerstagmittag über ihre Ergebnisse zu informieren. „Es wird telefoniert“, sagte ein Ministeriumssprecher. Insgesamt waren bis Mittwochabend mehr als 44.000 Testresultate noch nicht verschickt worden. Brisant: Manche Urlauber warten seit zwei Wochen auf ihre Ergebnisse - das ist der Zeitraum, der auch für eine freiwillige Quarantäne gilt.

Hohe Nachfrage nach freiwilligen Test

Das Landesamt für Gesundheit begründete die Verzögerung bei der Zustellung der Testergebnisse mit der unerwartet hohen Nachfrage und Problemen bei der händischen Übertragung von Daten - die handschriftlich ausgefüllten Formulare sind häufig schwer zu lesen. Hintergrund: Die Staatsregierung bietet an drei Autobahnen, an Hauptbahnhöfen und Flughäfen freiwillige Corona-Tests für Urlaubsheimkehrer aus allen Bundesländern an.

Nach der Krisensitzung am Donnerstag stellten sich Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml dann bei einer Pressekonferenz kritischen Fragen. Dabei kam heraus, dass Huml dem Ministerpräsidenten wegen der Panne zweimal ihren Rücktritt angeboten hatte. Söder sagte aber: „Ich habe weiter Vertrauen zu ihr.“ Huml wolle die „Scharte auswetzen“. Söder entschuldigte sich: „Da ist eine Panne passiert, und zwar eine große Panne.“

Hofreiter fassungslos, Spahn nachsichtig

Das Test-Chaos sorgt unter Politikern für Fassungslosigkeit. „Söder schießt mit seinem Aktionismus und einiger Selbstüberschätzung oft über das Ziel hinaus“, sagte Grünen-Chef Anton Hofreiter. Bayern habe sich mit seiner Teststrategie wohl übernommen. Ähnlich äußerten sich Politiker von SPD und FDP. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hingegen zeigte Nachsicht: In außergewöhnlichen Zeiten würden auch Fehler passieren, sagte er.

Fehler kann sich Söder aber nicht leisten, wenn er bei der Auswahl des Union-Kanzlerkandidaten noch seinen Hut in den Ring werfen will. In Bürgerumfragen liegt er vorn. Aber das kann sich schnell ändern - gerade in Corona-Zeiten.

Hintergrund: Die Zahl der bekannten Neuinfektionen in Deutschland ist abermals deutlich gestiegen. Nach Monaten der Entspannung liegt sie nun bereits auf dem Stand von Anfang Mai. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI bis Mittwochabend 1445 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Der politische Handlungsbedarf steigt. (mit dpa)