Jens Spahn (CDU) will zunächst über 80-Jährige und ihr Pflegepersonal impfen lassen. Foto: imago images/Political-Moments

Kurz vor dem geplanten Start der Corona-Impfungen am 27. Dezember hat die Bundesregierung festgelegt, in welcher Reihenfolge die Bürger Anspruch auf die Injektion haben. Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoff sei das Ziel, „zuerst denjenigen einen Schutz anzubieten, die ihn besonders benötigen“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Vorstellung seiner Impfverordnung.

Dies betreffe Menschen über 80 Jahren, Pflegebedürftige sowie diejenigen, die sie pflegen und betreuen. Es werde „mindestens ein bis zwei Monate“ dauern, bis dieses erste Etappenziel erreicht sei, sagte Spahn. Dann werde „Zug um Zug das Angebot verbreitert“.

Im Gegensatz zu den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (KURIER berichtete) unterscheidet die Impfverordnung nicht fünf, sondern nur drei Gruppen, die hintereinander geimpft werden sollen. „Dadurch ist eine gewisse Flexibilität vor Ort möglich“, sagte Spahn dazu im ZDF.

Gruppe 1: Schutzimpfungen mit höchster Priorität sollen Menschen ab dem 80. Lebensjahr, Personal und Bewohner in Pflegeheimen, Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko – etwa in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten.

Gruppe 2: Alle Menschen ab 70 Jahren sowie Menschen mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf – wie Demenzkranke, Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren dürfen sich dann impfen lassen. Dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.

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Gruppe 3: Über 60-Jährige und Menschen mit Krebs und weiteren Erkrankungen etwa am Herzen, Diabetes, Schlaganfall oder Asthma. Hierzu zählen ebenfalls Bundestag und Bundesregierung, Streitkräfte, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Justiz, Katastrophenschutz, Apotheken, Ernährungsbranche, Wasser-, Energie- und Abfallwirtschaft, Verkehr, Telekommunikation, Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel, Erzieherinnen und Lehrkräfte.

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Spahn kündigte „fließende Übergange“ zwischen den Stufen an. Nach sehr starker Priorisierung zu Beginn erwartet er immer zahlreicheren Impfstoff und neue Zulassungen – etwa des Serums der Firma Moderna Anfang Januar. Spahn warb um Verständnis für die Prioritätensetzung: „Beim Impfen gehts nicht um Wertschätzung, sondern zuerst einmal um Schutz.“ So könne ein Bereitschaftspolizist, der sogenannten Querdenkern gegenübertreten müsse, sich nicht wie er als Minister aussuchen, wem er nahe komme. Die Impfverordnung sollte rückwirkend zum 15. Dezember gelten.

Die Impfberechtigten würden informiert, wann es für sie losgehe – etwa per Schreiben oder über eine Hotline, kündigte der Minister an. „Mann wird und Frau wird erfahren, wann sie jeweils dran sind“, sagte er. Im ersten Quartal stünden nach aktuellem Stand elf bis 13 Millionen Impfdosen für Deutschland zur Verfügung – wobei für jede Impfung zwei Dosen benötigt werden.