Über drei neue Wege soll die PCK-Raffinerie in Schwedt versorgt werden, ohne Lieferungen aus Russland.
Über drei neue Wege soll die PCK-Raffinerie in Schwedt versorgt werden, ohne Lieferungen aus Russland. dpa/Patrick Pleul

Monatelang plagten viele Ostdeutsche große Sorgen, dass das EU-Ölembargo gegen Russland für sie nach hinten losgeht. Noch höhere Spritpreise, Firmenpleiten, Jobverluste – all das schien möglich. Denn die Versorgung von Berlin, Brandenburg und weiterer Regionen mit Treibstoff hängt an der PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt. Die wiederum ist bisher von russischem Öl aus der Pipeline „Druschba“ abhängig, auf das die Bundesregierung ab dem 1. Januar verzichten will.

Zwei Wochen vor dem Stichtag scheint Ersatz gefunden: Über drei Wege soll so viel nicht-russisches Öl nach Schwedt kommen, dass die Raffinerie weitgehend ausgelastet und die Versorgung gesichert ist – so verkündete es jetzt Staatssekretär Michael Kellner aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Und so will die Regierung den Sprit für den Osten sichern:

Wie ist der Stand beim Ölembargo?

Das wegen des Ukraine-Kriegs in der EU vereinbarte Embargo gilt seit 5. Dezember, aber nur für russisches Öl, das per Tanker geliefert wird. Deutschland und Polen haben zusätzlich versprochen, auch auf Pipeline-Öl zu verzichten. Das soll ab Januar greifen. Am 5. Februar folgt ein dritter Schritt: ein EU-Importstopp für verarbeitete Erdölprodukte aus Russland, zum Beispiel Diesel oder Kerosin. Damit – und mit einem zusätzlich vereinbarten Ölpreis-Deckel – will die EU die russische Kriegskasse austrocknen.

Was ist eigentlich das Problem für PCK?

Vor Beginn des Ukraine-Kriegs deckten Ölimporte aus Russland rund 35 Prozent des deutschen Bedarfs. Ein Drittel kam per Tanker, zwei Drittel flossen über die „Druschba“ nach Schwedt und die Raffinerie nach Leuna (Sachsen-Anhalt). In Leuna orientierte sich der französische Besitzer Total schnell um und erklärte von sich aus den Verzicht auf russisches Öl zum Jahresende. Doch in Schwedt zeigten die PCK-Mehrheitseigner – zwei Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft – lange kein Interesse an einer Abkehr vom russischen Öl.

Rohöl-Tanks der PCK-Raffinerie in Schwedt. Ab 1. Januar soll hier kein russisches Öl mehr fließen.
Rohöl-Tanks der PCK-Raffinerie in Schwedt. Ab 1. Januar soll hier kein russisches Öl mehr fließen. imago/Jochen Eckel

Mitte September entzog die Bundesregierung deshalb den Rosneft-Töchtern per Treuhandverwaltung faktisch die Kontrolle über PCK. Zusätzlich gab die Regierung weitreichende Zusagen für das Werk an der Oder, darunter eine zweijährige Beschäftigungsgarantie für die 1200 Mitarbeiter und ein Investitionspaket für eine grünere Zukunft. Offen blieb, wie das „Druschba“-Öl genau ersetzt werden soll.

Wie sieht die Lösung jetzt aus?

Bis zu 55 Prozent des Bedarfs sollen über Tanker nach Rostock und von dort über eine bestehende Pipeline nach Schwedt gebracht werden. Die Leitung ist im Moment aber zu klein, um noch mehr Rohöl zu transportieren, deshalb sollen zusätzliche Mengen über den polnischen Hafen Danzig kommen, über den sich auch die Raffinerie in Leuna versorgt.

Ein Tankschiff im Überseehafen Rostock, von hier aus wird die Raffinerie Schwedt mitversorgt.
Ein Tankschiff im Überseehafen Rostock, von hier aus wird die Raffinerie Schwedt mitversorgt. imago/BildFunkMV

Damit kommt PCK ab 1. Januar auf eine Auslastung von gut 70 Prozent. Dies soll im Lauf des Jahres weiter steigen. Hinzu kommen Verträge mit Kasachstan, um die letzte Lücke zu schließen. Allerdings fließt das kasachische Öl durch die „Druschba“-Pipeline teils über russisches Territorium nach Deutschland. Ob Moskau das auf Dauer zulässt, ist unklar.

Wird der Sprit an ostdeutschen Tankstellen knapp und teuer?

Das glaubt die brandenburgische Landesregierung nicht, weil die Rohölversorgung der PCK-Raffinerie wie auch die Versorgung in der Region mit Benzin, Diesel und Heizöl gesichert sei. Laut Kellner würden die Preise an den Tankstellen wohl nicht auf Dauer höher als in Westdeutschland sein.

Nur: Russisches Öl ist wegen des Kriegs derzeit deutlich billiger als andere Ölsorten, die nun viele haben wollen. Da könnte sich ein Preiseffekt ergeben, wenn Rohöl teurer eingekauft werden muss. Und mit dem Embargo für russischen Diesel und Co. ab Februar verknappt sich das Angebot dieser Produkte. Auch das könnte nach Einschätzung von Experten zumindest vorübergehend die Preise antreiben.