Österreichs Kanzler Sebastian Kurz vermutet Geheimabsprachen der Länder mit Impfstoff-Herstellern. Foto: imago/SEPA.Media

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) prangert eine ungerechte Verteilung von Corona-Impfstoff innerhalb der EU an. Recherchen des Kanzleramts hätten ergeben, dass möglicherweise Nebenabsprachen zwischen Pharmafirmen und einzelnen Mitgliedstaaten existierten. Diese Zusatzvereinbarungen unterliefen das gemeinsame EU-Ziel einer pro Kopf berechneten Zuteilung, sagte Kurz auf einer Pressekonferenz in Wien.

Malta und Niederlande profitieren

„Die Lieferungen erfolgen nicht nach Bevölkerungsschlüssel“, so Kurz nach Analyse der Dashboards und Rücksprache mit anderen EU-Staaten. „Es entsteht das Bild, dass Malta dreimal so viele Impfdosen bekommen würde als Bulgarien.“ Die Niederlande bekämen bis Ende Juni das Doppelte von Kroatien und in der Relation zur Einwohnerzahl auch mehr als Deutschland.

Verteilung wie auf einem „Basar“

Es gebe eine Geheimhaltung innerhalb dieses Boards, die Kurz, wie andere Beobachter als „Basar“ bezeichnet. Er habe jüngst mit mehreren Regierungschefs telefoniert, die davon genauso überrascht gewesen seien wie er, sagte der Kanzler bei der Pressekonferenz.

Von der EU-Kommission hieß es dazu, die Verteilung laufe zunächst nach Bevölkerungszahlen. Dies könne sich aber verschieben, wenn nicht alle Länder gemäß ihrem Anteil bestellen. Nicht genutzte Kontingente könnten unter anderen Mitgliedstaaten aufgeteilt werden.