Parkschein-Automat in Berlin-Mitte imago (Archivbild)

Führende Berater der Bundesregierung stellen der Klimapolitik ein ziemlich mieses Zeugnis aus. In einem neuen Gutachten schlagen sie deshalb jetzt ganz konkrete Schritte vor: Das Autofahren in Deutschland soll weniger attraktiv gemacht werden – mit höheren Gebühren.

Um Rad- und Fußverkehr zu fördern und den Klimaschutz zu verbessern, empfehlen die Regierungsberater eine Pkw-Maut und teurere Parkgebühren in den Städten. Neben der Stärkung umweltfreundlicher Verkehrsmittel seien „Maßnahmen unerlässlich, die eine individuelle Pkw-Nutzung unattraktiver machen“, heißt es in einem Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen. Die Möglichkeiten, Parkgebühren zu verlangen, müssten ausgeweitet und zudem die Deckelung der Gebühren für Anwohner aufgehoben werden. Das heißt: Auch wer das eigene Auto vor der eigenen Haustür abstellt, könnte in Zukunft kräftig zu Kasse gebeten werden.

Pkw-Maut soll Schadstoff-Ausstoß reduzieren

Der Expertenrat plädiert zudem für eine flächendeckende Pkw-Maut, die sich an der Fahrstrecke, an Schadstoff- und Lärm-Emissionen ausrichtet. „Eine bundesweite Maut erzielt eine deutlich bessere Lenkungswirkung als eine City-Maut und vermeidet einen Flickenteppich aus verschiedenen Regelungen in deutschen Städten“, heißt es im dem Gutachten. Es trägt den Titel: „Für eine entschlossene Umweltpolitik in Deutschland und Europa“.

Den drastischen Forderungen wollten sich allerdings nicht alle Mitglieder des siebenköpfigen Expertenrats anschließen. Lamia Messari-Becker, Professorin für Gebäude-Technologie und Bauphysik an der Uni Siegen, machte zu zwei Kapiteln des Gutachtens abweichende Meinungen geltend. Das betrifft die Abschnitte zum Verkehrslärm und zur Stadtmobilität. Die pauschale Forderung nach weniger Autoverkehr in der Stadt lehnt Messari-Becker ab. Statt einer Pkw-Maut für Städte befürwortet sie eher die Einführung eines CO2-Emissionshandels im Verkehrssektor.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen berät die Bundesregierung schon seit 1972. Er besteht aus Professoren verschiedener Fachrichtungen. (mit dpa, AFP)