Konsequentes Testen ist für die Forscher einer der Schritte, um die Corona-Pandemie dauerhaft in den Griff zu bekommen. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Mit mehr als 31.000 gemeldeten neuen Corona-Fällen an nur an einem Tag bleiben in Deutschland die Infektionsraten auf Rekordniveau. In vielen Ländern Europas sieht es nicht viel besser aus. Hunderte Forscherinnen und Forscher fordern deshalb jetzt, die Infektionszahlen durch eine gemeinsame europäische Strategie radikal und langfristig zu drücken und legten einen Aktionsplan vor.

Denn bisher hätten die Regierungen in Europa keine gemeinsame Vision für den Umgang mit Corona entwickelt, bemängeln die Wissenschaftler, zu denen auch der Charité-Virologe Christian Drosten, die Physikerin Viola Priesemann und der Chef des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler gehören. Wenn man jetzt nicht entschlossen handele, sei mit weiteren Infektionswellen zu rechnen, und als Konsequenz mit weiteren Schäden für Gesundheit, Gesellschaft, Arbeitsplätze und Betriebe, warnt die Gruppe im medizinischen Fachjournal „Lancet“.

Maximal 830 Neuinfektionen am Tag in Deutschland

Hauptziel ihres Drei-Punkte-Plans ist es, in ganz Europa maximal zehn neue Covid-19-Fälle pro Million Menschen pro Tag zu erreichen. Das würde für Deutschland eine Zahl von gut 830 Neuinfektionen binnen 24 Stunden bedeuten – ein Bruchteil der aktuellen Zahlen also. So niedrige Fallzahlen gab es in Deutschland zuletzt im Sommer.

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Das Mittel, um solch niedrige Zahlen bereits im Frühjahr erreichen zu können, seien „tiefgreifende Interventionen“, also Lockdowns oder vergleichbare strenge Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Diese hätten sich als effizient erwiesen, um die Fallzahlen zu senken.

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Um sie dann auch gering zu halten und „Ping-Pong-Effekte“ zwischen den europäischen Ländern zu vermeiden, „sollten die Bemühungen um niedrige Fallzahlen in allen europäischen Ländern synchronisiert sein und so schnell wie möglich beginnen“. Lockerungen seien dann möglich, allerdings europaweit als „Überwachungsstrategie“ mindestens 300 Tests pro Million Einwohner pro Tag notwendig, so die Forscher weiter. Außerdem seien bei lokalen Ausbrüchen sofortige Maßnahmen vor Ort erforderlich.

Der Plan sieht zudem vor, eine „gemeinsame, langfristige Vision“ in Europa zu entwickeln, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Wenn man die Vorteile niedriger Fallzahlen klar kommuniziere, sei es möglich, die Mitarbeit der Bevölkerung und die Mitwirkung der Öffentlichkeit zu sichern. Und das böte einen positiven Ausblick: „Die Kontrolle von Covid-19 wird einfacher werden.“