Wolfgang Kubicki nimmt kein Blatt vor den Mund. Ist er diesmal zu weit gegangen?  imago/spfimages

Mit einem Polter-Interview lässt FDP-Vize Wolfgang Kubicki wenige Tage vor der Wahl aufhorchen. Möglicherweise löste der Wein, der zur frühen Mittagszeit gereicht wurde, die Zunge des 69-Jährigen. Jedenfalls nahm er im Bild-Gespräch kein Blatt vor den Mund. Im Netz wird schon von einem „Skandal-Interview“ gesprochen. 

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Warum ist die Kritik so laut? In dem Gespräch beleidigt Kubicki einen SPD-Kollegen als „Dumpfbacke“. Er erklärt, dass er regelmäßig gegen Corona-Vorschriften verstoßen habe und dass er gerne auch tagsüber schon mal ein Glas Alkohol trinkt. Zudem erhebt er sich über Greta Thunberg und mokiert sich über das Gendern.   

Kubicki beleidigt Lauterbach

Aber der Reihe nach. Dass der FDP-Vize sich in der Rolle des Machos und Rechthabers gefällt und dabei regelmäßig aneckt, ist in der politischen Szene bekannt. Im Gespräch mit der Bild treibt er es nun aber für viele zu weit. Angesprochen auf Karl Lauterbach etwa holt Kubicki aus: In der Dorfkneipe von Strande (Kubickis Heimatort an der Ostsee) würden die Leute „nicht positiv“ auf Lauterbach reagieren. „Also man würde im Norden sagen: ‚Spacken‘ oder ‚Dumpfbacke‘.“  

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Harte Worte für einen, der andernorts gerne die politische Kultur beschwört. Und es geht ähnlich weiter. 

Als das Gespräch auf Corona kommt, lässt uns Kubicki wissen, dass er bewusst gegen Vorschriften zur Bekämpfung der Pandemie verstoßen habe - etwa gegen die Regel, sich nicht mit mehr als einer Person aus einem anderen Haushalt treffen zu dürfen. „Kein Mensch hat sich daran gehalten, selbstverständlich haben sich die Paare weiter getroffen wie vorher auch“, behauptet Kubicki. 

Wolfgang Kubicki teilt aus.  imago/Jürgen Heinrich

Kubicki: Kein Mansch hat sich an Corona-Regeln gehalten

Und der FDP-Vize geht sogar noch weiter. Wäre er erwischt worden, hätte ihn das nicht von weiteren Verstößen abgehalten. „Dann zahlen wir die 250 Euro Bußgeld“. Strafen hätten ihn nicht bewegen können, Nachbarn, Freunde und Kinder nur noch einzeln zu treffen, sagt er. 

Kubicki glaubt, dass solche Verstöße allgegenwärtig waren. „Auch hier in Strande gab es – wie in jedem Ort, den ich kenne – Kneipen, die geöffnet hatten, obwohl es verboten war“, sagt er der Bild-Zeitung.  Auch er sei – trotz Verbot – in diesen Kneipen gewesen.

Der FDP-Politiker und Jurist pfeift also öffentlich auf Vorschriften. 

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Dem Alkohol nicht abgeneigt: Wolfgang Kubicki. imago/Eibner

Gerne ein Glas Wein – auch tagsüber

Einmal in Rage kriegen dann auch noch die Klimaschützer ihr Fett weg. „Der Hype um Greta hat uns nicht wesentlich weiter gebracht – außer einige Kids auf die Straße“, lästert Kubicki. Und Gendern findet er übrigens albern. Menschen ließen sich nicht durch solche neuen Sprachvorgaben erziehen.

Viel lieber ist ihm da ein alkoholisches Getränk. Gerne auch schon zu früher Stunde. „Ich finde, man kann, wenn die Uhr zweistellig wird, schon mal ein Glas Wein trinken und sich daran freuen“, sagt Kubicki. Zweistellig wird die Uhrzeit um 10 Uhr vormittags.

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Im Netz hat das Interview für viel Aufregung und heftige Diskussionen gesorgt. Von „skandalösen Aussagen“ ist in den sozialen Medien die Rede, von „vergessener Vorbildfunktion“ und „fragwürdigen Bekenntnissen“ eines Juristen. Besonders die Beleidigungen des SPD-Kollegen Karl Lauterbach sorgen für Empörung.