Bei den Energieriesen wie Shell sprudeln die Gewinne.
Bei den Energieriesen wie Shell sprudeln die Gewinne. dpa/Patrick Pleul

Die explodierenden Energiepreise lassen die Inflation weltweit in die Höhe schnellen, Volkswirtschaften in weiten Teilen der Welt drohen in Rezessionen zu stürzen. Und während viele Menschen in Deutschland es kaum noch schaffen, ihre Rechnungen zu bezahlen, scheffeln Europas Energiekonzerne Milliarden!

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Wie keine andere Branche profitieren Energieriesen wie Shell stark von den hohen Öl- und Gaspreisen infolge des Ukraine-Kriegs. Der britische Shell-Konzern verfünffachte seinen Gewinn im Quartal von April bis Juni auf 18 Milliarden Dollar (17,6 Milliarden Euro). Der französische Konzern Total Energies verdoppelte seinen Gewinn auf 5,7 Milliarden Dollar, der spanische Ölkonzern Repsol steigerte seinen Gewinn im Vorjahresvergleich um mehr als Doppelte auf 2,54 Milliarden Euro.

Konzerne einzige Nutznießer der Energiekrise

Da klingt es schon fast wie Hohn, wenn Chris O’Shea von Centrica, dem Eigentümer der Firma British Gas, von der „herausforderndsten Energiekrise seit Menschengedenken“ spricht, obwohl sein Unternehmen den höchsten bereinigten Betriebsgewinn seit 2013 meldete.

Höhere Gaspreise in Deutschland ab 1. Oktober

Auch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wird nicht müde, den Ernst der Lage zu betonen und warnte Verbraucher wegen der geplanten Gas-Umlage zum 1. Oktober vor zusätzlichen jährlichen Kosten von mehreren Hundert Euro pro Haushalt.

Doch Energiefirmen sehen sich trotz sprudelnder Gewinne gar nicht als Nutznießer der Krise: „Russlands Invasion der Ukraine hatte weiterhin Folgen auf die Energiemärkte, mit Ölpreisen im Schnitt über 110 Dollar pro Barrel, Margen für Raffinerien auf Rekordhöhen, Gaspreisen teilweise höher als Ölpreisen in Europa und Asien“, erklärte Total Energies am Donnerstag. Der Konzern habe mehr produziert und so „zur Energiesicherheit beigetragen“. Repsol betonte, die guten Ergebnisse im ersten Halbjahr trügen dazu bei, die in der Corona-Krise erlittenen Verluste auszugleichen.

Forderung nach Steuern auf Krisengewinne

In Deutschland hatte der Energiekonzern RWE am Mittwochabend seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr stark nach oben korrigiert – das Unternehmen erwartet einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von fünf bis 5,5 Milliarden Euro statt bislang 3,6 bis 4 Milliarden Euro.

Die Zahlen der Konzerne dürften die Debatte über eine Besteuerung der hohen Gewinne infolge des Kriegs wieder befeuern. In Deutschland forderte zuletzt SPD-Chefin Saskia Esken eine solche Übergewinnsteuer.

In Spanien hat die Regierung eine solche Steuer für kriegsbedingte Gewinne von Energiekonzernen für das kommende Jahr angekündigt. Damit will die Regierung 2023 und 2024 rund zwei Milliarden Euro einnehmen. Mit dem Geld will sie Entlastungspakete für die Bürgerinnen und Bürger finanzieren. Die Wirtschaftsverbände kritisieren, die Steuer schmälere das Investitionsbudget der Konzerne.