Roland Tichy wird sich laut FAZ-Informationen im Oktober nicht mehr zur Wiederwahl für den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung stellen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Der in die Kritik geratene Journalist Roland Tichy will nach einem Zeitungsbericht den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung abgeben. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete am Donnerstag, Tichy werde sich im Oktober nicht zu Wiederwahl stellen. Grund ist ganz offensichtlich eine Debatte um als sexistisch empfundene Äußerungen über die SPD-Politikerin Sawsan Chebli in der Monatszeitschrift „Tichys Einblick“. Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, twitterte zu Tichys Rückzug: „Die einzig richtige Entscheidung.“

In dem Magazin heißt es über die SPD-Politikerin Chebli, die sich im selben Berliner Wahlkreis wie der amtierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) um eine Bundestagskandidatur bemüht: „Was spricht für Sawsan? (...) Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer.“

Zunächst hatte die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), aus Protest gegen Tichy ihre Mitgliedschaft in der Stiftung gekündigt. „Grund für diese Entscheidung ist eine Publikation in dem Magazin ‚Tichys Einblick‘, die frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli enthält“, sagte Bär dem „Handelsblatt“.

Kritik an Tichy äußerte nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der ebenfalls Mitglied der Stiftung ist.

Nach Digitalstaatsministerin Dorothee Bär lassen nun auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie der Vorsitzende der Mittelstandsunion Carsten Linnemann mit sofortiger Wirkung ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung ruhen.

„Die Ludwig-Erhard-Stiftung ist eine Institution mit langer Tradition und dem Erbe des Namensgebers verpflichtet. Leider ist seit geraumer Zeit eine Debattenkultur von führenden Vertretern der Stiftung festzustellen, die dieser Verantwortung nicht gerecht wird“, schreiben sie in einer gemeinsamen Erklärung.