Der Impfstoff von Biontech/Pfizer könnte die gesamte Strategie im Kampf gegen Corona umwerfen. Foto: Imago/Beautiful Sports

Israel vermeldet einen überraschenden Lichtblick im Kampf gegen Corona: Der Biontech-Impfstoff wirkt nicht nur sehr effektiv gegen eine Covid-19-Erkrankung, sondern verhindert auch zu 89,4 Prozent eine Corona-Infektion.

Die Sensations-Nachricht stimmt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hoffnungsfroh, doch sie hat auch immense Folgen für jeden Bürger im Kampf gegen die Pandemie.

Wie Bild am Sonntag berichtet, zeigte eine groß angelegte Studie der israelischen Regierung, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer die Ansteckungsgefahr erheblich senkte. Und laut Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums verhinderte das Vakzin nach der zweiten Impfung zu rund 99 Prozent schwere Krankheitsverläufe oder Todesfälle.

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Den Daten zufolge schützt der Impfstoff zu 90 Prozent vor einer Weitergabe des Coronavirus, berichtet das Blatt. Die Studie basiere auf Daten von 1,1775 Millionen geimpften Israelis. Geimpfte sind damit nicht nur vor schweren Verläufen einer Erkrankung geschützt, sondern können offenbar andere Menschen zu hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr anstecken.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam ein US-Team der Mayo-Klinik bei Untersuchungen von mehr als 31.000 Menschen in vier US-Bundesstaaten bei Tests nach Impfungen mit dem Biontech/Pfizer-Serum und dem Wirkstoff von Moderna. Bei Testpersonen, die mindestens eine Dosis eines der beiden Impfstoffe erhalten hatten, verhinderte beide Vakzine 36 Tage nach der ersten Dosis eine Infektion zu  mehr als 80 Prozent.

Lauterbach: Herdenimmunität ist möglich

Bislang war unklar, ob Geimpfte nur selbst geschützt sind, das Virus aber weitergeben können - oder ob sie tatsächlich nicht oder kaum mehr ansteckend sind.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht in den Daten aus Israel hoffnungsvolle Informationen: „Diese Auswertungen sind von großer Bedeutung. Sie sind der erste klare Hinweis darauf, dass man sich nach der Impfung nicht ansteckt und auch nicht ansteckend ist“, so Lauterbach in Bild am Sonntag.

Kommt jetzt doch eine Impfpflicht?

Damit würde die Impfung eine Herdenimmunität tatsächlich ermöglichen – „und die Rückkehr zum normalen Leben möglich machen“.

Doch das könnte den Beginn einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ bedeuten. Denn falls die Impfung das Ansteckungsrisiko so stark senkt, würde das die Debatte um eine Impfpflicht neu entfachen – und könnte auch Privilegien für Geimpfte bringen.

Geimpfte genießen schon Privilegien

Auch dies zeigt das Beispiel Israel bereits: In zwei Wochen sollen in dem Land mit rund 9,3 Millionen Einwohnern 95 Prozent der Bürger ab 50 Jahren geimpft sein. Vor diesem Hintergrund sind Schulen und viele Läden ab diesem Sonntag wieder geöffnet.

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Mit einem Grünen Pass dürfen Geimpfte unter anderem Fitnessstudios, Hotels, Theater oder Sportereignisse besuchen. Mehr als 3,2 Millionen Israelis können ab sofort diese Vorteile genießen, twitterte Gesundheitsminister Juli Edelstein. Ziel der Impfausweis-Kampagne ist es, die Wirtschaft im Land wieder anzukurbeln.

Nach dem wochenlangen harten Lockdown werden in Israel heute am Sonntag auch Einkaufszentren, Museen, Bibliotheken und Gebetshäuser für Nicht-Geimpfte geöffnet. Dort müssen dann weiter die Corona-Regeln wie Maskenpflicht und Abstand eingehalten werden.