Nina Krake (l.) und Tabea Hörner zählen zu den vielen Gründerinnen in Berlin, arbeiten in ihrer Firma „For Schur“ abgelegte Pullover zu neuen Kleidungsstücken um.
Markus Wächter

Die Corona-Krise hat 2020 die Pläne vieler Existenzgründer abgewürgt. Die  staatliche Förderbank KfW ermittelte, dass rund 537.000 Menschen den Sprung in Selbstständigkeit wagten - 68.000 weniger als in den zwölf Monaten zuvor. Frauen hielten allerdings besser durch als Männer. „Frauen hielten häufiger an Gründungen fest und passten ihre Geschäftsidee in der Krise an“, erläuterte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib bei der Vorstellung des jährlichen „Gründungsmonitors“.

 2019 war die Zahl der Existenzgründungen erstmals seit fünf Jahren wieder gestiegen. Damit war wegen der Pandemie 2020 Schluss. Im Jahr 2021 rechnet Köhler-Geib jedoch mit einem Aufwärtstrend: „Der konjunkturelle Aufschwung gibt Rückenwind und auch der Arbeitsmarkt dürfte eher positiv auf die Gründungstätigkeit wirken.“ Zudem seien viele weit fortgeschrittene Vorhaben aufgrund der Pandemie verschoben worden.

„Mit dem ersten Shutdown im Frühjahr 2020 wurde klar, dass die Pandemiebekämpfung harte, wenig planbare Maßnahmen verlangt“, erklären die KfW-Ökonomen. „Das hat die wirtschaftliche Unsicherheit massiv erhöht.“

Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefökonomin der KfW, lobte das Durchhaltevermögen gründender Frauen. KfW

Rückgänge gab es demnach im vergangenen Jahr sowohl bei den Gründungen zum Nebenerwerb (minus 41.000 auf 336 000) als auch bei denjenigen, mit denen Menschen vollständig ihren Lebensunterhalt verdienen. Bei diesen sogenannten Vollerwerbsgründungen wurde nach einem Minus von 27 000 auf 201 000 ein neuer Tiefpunkt erreicht.

Vor allem Männer wagten nach Angaben der KfW im Corona-Jahr 2020 seltener den Schritt in die Selbstständigkeit. Unter ihnen sank die Zahl der Existenzgründer binnen Jahresfrist deutlich um 58.000 auf 332.000. Dagegen blieb die Zahl der Gründerinnen mit einem Rückgang von 10.000 auf 205.000 vergleichsweise stabil. Gründungen von Frauen machten somit 38 (2019: 36) Prozent aller Existenzgründungen in Deutschland aus.

Positiv ist aus Sicht der Ökonomin der Anstieg der so genannten Chancengründungen im Krisenjahr auf 80 Prozent (2019: 73 Prozent). „Viele Menschen haben gegründet, wenn sie eine Geschäftsgelegenheit gesehen haben und nicht aus der Not heraus.“ Der Anteil der Notgründungen zum Beispiel von Ein-Personen-Putzfirmen sank auf ein Allzeittief. Dabei dürfte nach Einschätzung Köhler-Geibs insbesondere das erweiterte Kurzarbeitergeld eine Rolle gespielt haben.

Die Zahlen zeigen, wie viele Menschen pro 10.000 Erwerbstätige sich im Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2020 in den Bundesländern jährlich selbständig gemacht haben. Grafik: dpa. Quelle: KfW Gründungsmonitor

Berlin ist die Gründerhauptstadt Deutschlands

Im Vergleich der 16 Bundesländer ist das Gründungsgeschehen seit Jahren in Berlin am lebhaftesten. Nach KfW-Berechnungen begannen in der Bundeshauptstadt im Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2020 von 10.000 Erwerbsfähigen jährlich 181 Personen eine selbstständige Tätigkeit.

Neu auf Platz 2 liegt Hamburg (129 Existenzgründungen pro 10.000 Erwerbsfähige), vor Schleswig-Holstein (120) und Bayern (109). Das im Vorjahr zweitplatzierte Brandenburg, das üblicherweise Nachbarschaft zu Berlin profitiert, fiel coronabedingt auf den fünften Platz zurück (104).

Viele neue Jobs entstehen durch Existenzgründungen zumeist nicht: Wie im Vorjahr handelte es sich in 79 Prozent der Fälle im vergangenen Jahr um Sologründungen, die überwiegend keine zusätzlichen Beschäftigten haben.

Auch bei der Aufgabe des Geschäfts hinterließ die Pandemie im vergangenen Jahr Spuren. Etwa vier von zehn Gründern haben nach Erkenntnissen der KfW 2020 ihre selbstständige Tätigkeit binnen fünf Jahren nach Geschäftsaufnahme wieder beendet. Bei mehr als der Hälfte (56 Prozent) der Abbrüche war den Angaben zufolge die Corona-Krise entscheidend. Hauptgrund war Unwirtschaftlichkeit, aber auch Gründe  wie  eine Covid-19-Erkrankung spielten eine Rolle.