Deutschland vor dem harten Lockdown.  Foto: imago images/foto2press

Warum schaffen wir es nicht, endlich einmal ehrlich mit uns selbst zu sein? Die Corona-Zahlen sind zu hoch, die Kliniken überlastet, mehr als 500 Menschen sterben jeden Tag. Wir befinden uns also mitten in einer Notlage. Aber bekämpfen wollen wir sie erst nach Weihnachten?

Ein harter Lockdown ist unumgänglich, erklären uns diverse Ministerpräsidenten gerade völlig zu Recht. Aber das Weihnachtsgeschäft wollen wir dann doch noch mitnehmen. Wie bitte? Wir verschieben den Notfall also schnell noch mal.

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Lockdown light ist gescheitert

Es gibt keine marktkonforme Pandemiebekämpfung. Wir haben es vor schon vor Wochen versaut, als sich Bund und Länder nicht auf einen konsequenten Plan gegen Corona einigen konnten – und einer schlauer und beleidigter war als der andere.

Virologen haben vorausgesagt, dass die Maßnahmen nicht ausreichen werden. Wirtschaftswissenschaftler haben erklärt, dass ein kurzer, harter Shutdown vermutlich weniger kostet als eine halbgare Lösung. Aber die Damen und Herren Ministerpräsidenten wussten es besser – und lagen falsch. Der Lockdown light ist gescheitert. Und mit ihm der Versuch, dass jeder seine eigenen regionalen Interessen durchsetzen will.

Es geht um Menschenleben

Der Egoismus und die Profilierungssucht der Landesfürsten lassen derzeit nicht wenige an unserem Föderalismus zweifeln. Und diesmal geht es nicht um einen einfachen Richtungsstreit. Es geht um Leben und Tod. Politisches Handeln entscheidet in diesen Tagen, wie viele Menschen in den nächsten Wochen sterben werden. Das ist brutal, aber die Wahrheit.

Also noch mal: Seien wir endlich ehrlich. Die Versuche, auf Eigenverantwortung zu setzen, sind gescheitert. Es geht nicht ohne Verbote. Die Notlage ist jetzt da. Handelt endlich. Und gemeinsam. Dann ziehen die Menschen auch mit.  
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