Die verwendeten Impfstoffe haben eine unterschiedliche Wirkdauer. AFP/Christof Stache

Die Corona-Zahlen in Deutschland gehen durch die Decke, Regeln werden verschärft, und gebetsmühlenartig versucht die Politik, Ungeimpfte vom Anti-Corona-Piks zu überzeugen. Eine weitere Waffe gegen das Virus sind Auffrisch-Impfungen. Denn der Schutz der Vakzine lässt nach einiger Zeit nach – und das sogar schneller als in der bisher angenommenen 6-Monats-Frist. Wie deutlich das ohne Booster-Impfung geschieht, zeigt eine neue Studie der schwedischen Universität in Umea.

Impfstoffe wirken unterschiedlich lang

Die Forschergruppe um Peter Nordström hatte für ihre Untersuchung mehr als 840.000 Geimpften/Genesenen die gleiche Zahl Ungeimpfter/Nichtinfizierter gegenübergestellt. Bisher sind die Ergebnisse aber erst als sogenannte Preprint-Studie veröffentlicht. Das heißt, sie wurde noch nicht von Fachkollegen begutachtet und erschien noch nicht in einer Fachzeitschrift.

Ergebnis der Studie: Bis Ende des zweiten Monats lag der Impfschutz im Durchschnitt über alle verfügbaren Impfstoffe verteilt bei rund 90 Prozent. Doch schon nach sieben Monaten war der Schutz auf 23 Prozent gesunken und damit statistisch nicht mehr relevant, stellten die Experten fest.

Wie stark die Wirksamkeit nachließ, hing auch von den jeweiligen Impfstoffen ab.

Biontech: 47 Prozent Schutz nach vier Monaten

Wurde das Serum von Biontech verabreicht, betrug die Wirksamkeit nach einem Monat 92 Prozent. Nach 4 Monaten (121 Tage) bis zu sechs Monaten (180 Tage) sank der Schutz vor einer Corona-Infektion mit Krankheitszeichen auf bis zu 47 Prozent. Danach geht es noch steiler bergab: 211 Tage, also sieben Monate nach der zweiten Spritze ließ sich aus den Daten kein messbarer Schutz mehr gegen eine symptomatische Infektion feststellen.

Bei Moderna schwindet die Wirksamkeit langsamer

Etwas besser schnitt der mRNA-Impfstoff von Moderna ab. Bei ihm sank die Wirksamkeit langsamer und nach sechs bis sieben Monaten schützte das Serum noch zu 59 Prozent vor einer Infektion mit Symptomen wie Husten, Schnupfen oder Fieber. Für Aussagen über einen längeren Zeitraum gab es aber offenbar nicht genug Impflinge.

Schlusslicht ist Serum von Astrazeneca

Chancenlos im Vergleich mit den beiden mRNA-Impfstoffen ist das Vakzin von Astrazeneca. Der Impfschutz sank viel schneller ab: 121 Tage, also vier Monate  nach der zweiten Dosis war laut Studie kein Schutzeffekt mehr messbar.

Stattdessen hatten Geimpfte wieder ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und Symptome zu entwickeln. Wurde Astrazeneca mit einem mRNA-Impfstoff als zweiter Dosis kombiniert, sank zwar ebenfalls die Wirksamkeit, aber nicht vollständig. Auch nach vier Monaten war ein Schutz noch vorhanden.

Für alle drei Impfstoffe gilt aber: Die festgestellte höhere Wahrscheinlichkeit für Impfdurchbrüche nach einigen Monaten bedeutet nicht, dass die Impfstoffe unwirksam sind! Vor schweren Krankheitsverläufen bieten sie immer noch einen ausreichenden Schutz, wie die Studie aufzeigte.

Schnelles Auffrischen bei Johnson & Johnson

Wem übrigens der Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson (Janssen) geimpft wurde, der sollte ohnehin schon weit früher als andere boostern. Weil die Wirksamkeit des Serums insgesamt geringer ist als die der anderen Impfstoffe, rät die Ständige Impfkommission (Stiko) zur Auffrischung nach bereits vier Wochen. Und zwar unabhängig davon, wie alt man ist und ob man einer Risikogruppe angehört.

Unter-30-Jährigen empfiehlt die Stiko, sich nur mit Biontech boostern zu lassen. Grund dafür ist, dass es in dieser Altersgruppe nach Impfungen mit Moderna vermehrt zu Problemen gekommen ist.