Für Italiens ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi könnte es jetzt eng werden. dpa/Roberto Monaldo

Silvio Berlusconi träumte davon, seine Karriere als italienischer Präsident zu beenden, doch jetzt kann er froh sein, wenn er sie nicht in einer Gefängniszelle beenden muss! Dem milliardenschweren Ex-Premier droht wegen seiner berüchtigten „Bunga-Bunga“-Sexpartys erneut eine strafrechtliche Ahndung.

Mailänder Staatsanwälte haben sechs Jahre Gefängnis für den 85-Jährigen beantragt, weil er angeblich Gäste bezahlt hatte, um über die berüchtigten Partys in der sogenannten Ruby-Affäre zu lügen – Ruby Rubacuori nannte sich die minderjährige Tänzerin im Zentrum des Skandals von 2010.

In ihrem Plädoyer forderten die Staatsanwälte am Mittwoch in Mailand zudem, ein Vermögen von 10,8 Millionen Euro von dem 85-jährigen Politiker und Unternehmer zu beschlagnahmen.

Staatsanwältin: Berlusconi hielt sich „bezahlte Sex-Sklavinnen“

Im Verfahren geht es um die als „Bunga-Bunga-Partys“ bekannt gewordenen Feiern mit jungen Frauen, die mehr als zehn Jahre zurückliegen. Der Prozess in Mailand ist schon der dritte im Nachgang zu dem Skandal von 2010. Berlusconi war bereits wegen Amtsmissbrauch und Förderung von Prostitution Minderjähriger angeklagt und aus Mangel an Beweisen letzten Endes freigesprochen worden. Im jetzigen Verfahren geht es darum, ob Berlusconi die jungen Frauen zu Falschaussagen vor Gericht gedrängt hatte.

„Diesen jungen Frauen wurde zugesichert, dass sie sowohl mit einem Einkommen von 2500 Euro monatlich rechnen können, als auch mit einem Apartment“, sagte Staatsanwalt Luca Gaglio im Gericht.

Staatsanwältin Tiziana Siciliano hatte dem Parteichef von Forza Italia jüngst in dem Prozess vorgeworfen, sich bei seinen Feiern Haremsdamen und „bezahlte Sex-Sklavinnen“ gehalten zu haben.

Berlusconi soll sich das Schweigen der Frauen und Gäste erkauft haben

Auch rund 20 ehemalige Gäste der Partys in Berlusconis prunkvoller Villa bei Mailand stehen vor Gericht, denen vorgeworfen wird, Geld und Geschenke des Medienmoguls als Gegenleistung für ihr Schweigen angenommen zu haben.

Doch eine mögliche Haftstrafe ist noch nicht alles, was auf den einstigen Regierungschef zukommen könnte. Das Büro des Ministerpräsidenten fordert außerdem Schadenersatz von Berlusconi. Der einstige Regierungschef habe durch sein Verhalten Italien in „weltweiten Misskredit“ gebracht, begründete dies Anwältin Gabriella Vanadia und forderte eine Verurteilung des 85-Jährigen und von 27 anderen Angeklagten zu Schadenersatz in Höhe von 10,5 Millionen Euro.

Berlusconi beteuert seine Unschuld

Der Medienunternehmer Berlusconi selbst beteuert seine Unschuld, sein Anwalt ist von einem Freispruch überzeugt. „Es gab kein Verbrechen“, sagte Federico Cecconi. Ein Urteil in Mailand wird im Herbst erwartet. Vertreter von Berlusconis Partei Forza Italia und auch die Chefs der Rechtsparteien Lega und Fratelli d'Italia bekundeten ihre Solidarität mit dem 85-Jährigen.

Laut Beobachtern dürfte der Antrag des Ministerratspräsidiums Berlusconi am meisten treffen. Zum einen war dieses in seinen vier Amtszeiten jeweils sein Büro. Und außerdem versuchte sich der Forza-Italia-Chef zuletzt als wackerer und zuverlässiger Unterstützer von Ministerpräsident Mario Draghi zu positionieren.

Anwältin Vanadia machte aber deutlich, dass Berlusconis Eskapaden, ob nun strafrechtlich geahndet oder nicht, Italien in Verruf gebracht haben.