Während seiner Planungen für ein Tierhaltungslogo besuchte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) den Schweinemastbetrieb von Jan-Hendrik Hohls bei Celle. Die Tiere waren so neugierig wie der Minister. dpa/Moritz Frankenberg

Wie hat das Tier gelebt, dessen Fleisch ich gerade kaufen will? Darüber soll künftig eine staatliche Tierhaltungskennzeichnung für Fleisch und Wurst die Kunden informieren. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) legte am Dienstag Eckpunkte vor.

Sie unterschieden sich vor allem darin, wie viel Platz die Tiere haben und wie komfortabel ihre Ställe ausgestattet sind. Nach Özdemirs Plänen soll die verbindliche staatliche Kennzeichnung im Verlauf des kommenden Jahres starten, allerdings zunächst nur bei Schweinefleisch.

Fünf Kategorien der Schweinehaltung

Und das sind die fünf Kategorien der Schweinehaltung, die dem Kunden zur Kenntnis gegeben werden sollen:

Stall: Die Haltung während der Mast erfolgt entsprechend der gesetzlichen Mindestanforderungen. Dazu zählt gerade einmal 0,75 Quadratmeter Platz im Stall für ein Mastschwein, wenn es zwischen 50 und 110 Kilogramm wiegt.

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Stall+Platz: Den Schweinen steht mindestens 20 Prozent mehr Platz im Vergleich zum gesetzlichen Mindeststandard zur Verfügung und die Ställe sind so gebaut, dass sie nicht langweilig für die Tiere sind.

Frischluftstall: Den Schweinen wird innerhalb des Stalls ein dauerhafter Kontakt zum „Außenklima“ ermöglicht: Mindestens eine Seite des Stalls ist offen, damit sie Sonne, Wind oder Regen wahrnehmen können. Zudem steht ihnen mindestens knapp die Hälfte mehr Platz im Vergleich zum gesetzlichen Mindeststandard zur Verfügung.

Auslauf für die Schweine erwünscht

Auslauf/Freiland: Den Schweinen haben mindestens acht Stunden pro Tag  Auslauf beziehungsweise sie werden in diesem Zeitraum im Freien ohne festes Stallgebäude gehalten. Zudem steht ihnen mindestens eine nahezu doppelt so große Fläche im Vergleich zum gesetzlichen Mindeststandard zur Verfügung.

Bio: Die Lebensmittel wurden nach den Anforderungen der EU-Ökoverordnung „(EU) 2018/848“ erzeugt. Das bedeutet laut Özdemir für die Tiere eine noch größere Auslauffläche und noch mehr Platz im Stall gegenüber den anderen Haltungsformen.

Eine Milliarde für Schweineställe

Als Anschubfinanzierung für den Stallumbau ist bis zum Jahr 2026 im Bundeshaushalt eine Summe von einer Milliarde Euro vorgesehen. Özdemir räumte ein, dass dieser Betrag nicht ausreiche. Für die weitergehende Finanzierung gebe es innerhalb der Koalition aber noch „Klärungsbedarf“.

Grundsätzlich sollen Bauern nicht auf  Investitionen in Stallumbauten und höheren laufenden Kosten nicht alleine sitzen bleiben. Im Gespräch sind nach Empfehlungen einer Expertenkommission ein höherer Mehrwertsteuersatz oder eine „Tierwohlabgabe“ auf tierische Produkte.

FDP gegen teureres Schweinefleisch

In der Koalition knirschte es aber zuletzt. Die FDP machte klar, dass sie angesichts der gerade hohen Inflation Preisaufschläge für Verbraucher ablehnt.

Özdemirs Vorschläge gehen auf die Vereinbarung der Ampel-Koalition zurück, eine verpflichtende Kennzeichnung zu schaffen, um mehr Tierschutz zu schaffen.

Wie das staatliche Logo genau aussehen soll, ist noch offen. Viele Kunden kennen auf Packungen schon so ähnliche Logos, die aber nicht staatlich geregelt sind. Seit 2019 gibt es eine vierstufige Kennzeichnung der Supermarktketten mit dem Aufdruck „Haltungsform“, die Fleisch von Schweinen, Geflügel und Rindern umfasst.   Diese Kennzeichnung dürfte auch noch einige Zeit parallel zur staatlichen bestehen bleiben, zumal sie bereits für mehrere Tierarten existiert.