Gedenkstelle für Daniel Prude in der amerikanischen Stadt Rochester. Foto: Adrian Kraus/AP

Kurz vor dem Besuch von Präsidentschaftskandidat Joe Biden am Donnerstag in der von Anti-Rassismus-Protesten erschütterten Stadt Kenosha haben zwei neue Fälle von durch Polizisten getöteten Afroamerikanern die USA schockiert. Nach Angaben der Polizei wurde am Mittwoch ein Schwarzer bei einer Fahrzeug-Kontrolle in Washington erschossen. In einem anderen Fall im Bundesstaat New York drückten Polizisten das Gesicht eines Mannes auf den Boden, bis dieser ohnmächtig wurde und später starb.

Wie der Polizeichef der Hauptstadt Washington, Peter Newsham, bei einer Pressekonferenz sagte, schoss ein Polizist am Mittwoch bei einer Fahrzeug-Kontrolle auf einen flüchtenden Afroamerikaner. Nach Angaben von Lokalpolitikern soll das Opfer 18 Jahre alt gewesen sein.

Die Beamten hätten einen Hinweis bekommen, wonach sich in einem Auto im Süden von Washington Waffen befinden sollten, sagte Newsham. Als die Polizisten sich dem Fahrzeug genähert hätten, seien einige der Fahrzeuginsassen zu Fuß geflüchtet. „Einer der Beamten machte Gebrauch von seiner Schusswaffe“, sagte Newsham weiter.

Nackt sitzt Daniel Prude beim Einsatz auf der Straße, ein Polizist zieht ihm eine der umstrittenen Spuckschutzhauben über den Kopf. Dann drückten Beamte sein Gesicht für zwei Minuten auf den Boden.  Foto: Rochester Police/AP

Der angeschossene Afroamerikaner sei anschließend in ein Krankenhaus gebracht worden, wo er für tot erklärt worden sei. Newsham fügte hinzu, dass die Beamten am „Tatort“ zwei Waffen sichergestellt hätten.

Nach Angaben von Trayon White, einem Mitglied des Stadtrates, wartet die Familie des Afroamerikaners nun auf die Auswertung von Videoaufnahmen. „Wir wollen herausbekommen, was die Aufnahmen der Körperkamera zeigen. Wir wollen wissen, ob er wegrannte, warum er erschossen wurde“, sagte White dem Sender Wusa9.

Für Empörung sorgte zudem ein Polizeieinsatz im Bundesstaat New York gegen den Afroamerikaner Daniel Prude, der eine Woche später starb. Der Fall ereignete sich bereits am 23. März – ein Video, das den Einsatz gegen Prude dokumentiert, wurde aber erst jetzt veröffentlicht.

Die Aufnahme stammt von der Körperkamera eines Polizisten und zeigt, wie Prude nackt und unbewaffnet auf einer Straße liegt. Prude, der sich anfangs gefügig zeigte, wurde zunehmend aufgeregter, nachdem die Beamten ihm Handschellen angelegt hatten. Weiter ist in dem Video zu sehen, dass Prude eine Spuckhaube aufgesetzt wurde. Als Prude verlangt, dass ihm die Haube abgenommen werden solle, drücken die Polizisten seinen Schädel auf die Straße. Einer der Beamten hält seinen Kopf mit beiden Händen auf dem Boden fest und blafft: „Hör auf zu spucken!“ Der 41-jährige Afroamerikaner verlor das Bewusstsein und starb eine Woche später im Krankenhaus.

Menschen versammelten sich in Rochester, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren – nicht weit vom Ort der Demo entfernt war Daniel Prude im März festgenommen worden. Foto: Adrian Kraus/AP

Laut der Zeitung „Rochester Democrat and Chronicle“ bewertete eine Autopsie den Tod von Prude als Tötungsdelikt. Zu dem Einsatz gerufen wurde die Polizei durch den Bruder von Prude. Er gab auf einer Pressekonferenz am Mittwoch an, sein Bruder hätte wegen psychischer Problem von der Polizei in Gewahrsam genommen werden sollen. Die New Yorker Staatsanwaltschaft nahm inzwischen Ermittlungen auf.

In den USA gibt es seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis Ende Mai in vielen Städten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus. Zuletzt hatte der Fall von Jacob Blake für Aufruhr gesorgt, dem am 23. August in der Stadt Kenosha im Bundesstaat Wisconsin vor den Augen seiner Kinder mehrfach von einem weißen Polizisten in den Rücken geschossen worden war.

Der frühere Vizepräsident Biden wird am Donnerstag in Kenosha erwartet, wo er das Gespräch mit Bewohnern der Stadt suchen will. Zudem plant der Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, die Familie von Blake zu treffen. Bei den teils gewalttätigen Protesten in Kenosha nach den Schüssen auf Blake, der schwer verletzt wurde, waren zwei Menschen mutmaßlich von einem Weißen erschossen worden.

Präsident Donald Trump hatte Kenosha bereits am Dienstag besucht. Er stellte sich dabei demonstrativ hinter die Polizei und bezeichnete die Ausschreitungen als „Inlandsterrorismus“. Die Familie Blakes traf er nicht.