Hirten sind in West-Afrika mit Ziegen und einem Rind auf der Suche nach Wasser: Wird die Welt noch wärmer, wird das immer öfter geschehen.

Viele Millionen Menschen mehr werden aufgrund des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten unter Hunger, Dürre und Krankheiten leiden. Diese Voraussage steht in einem Berichtsentwurf des Weltklima-Rates IPCC, über den die Nachrichtenagentur AFP exklusiv berichtet.

Seit Beginn der Industrialisierung ist die Durchschnittstemperatur auf der Erde um 1,1 Grad gestiegen, eine weitere Steigerung soll auf maximal 2 Grad begrenzt werden. Auf 4000 Seiten zeigen mehr als 700 Autoren aber auf, wie sich die Erderwärmung auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Politische Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, können diese Folgen abmildern, viele sind laut dem UN-Bericht jedoch bereits unvermeidbar.

Nutzpflanzen enthalten weniger Nährstoffe

Wegen der steigenden Temperaturen nehme der Nährstoffgehalt der Nutzpflanzen ab. Der Proteingehalt von Reis, Weizen, Gerste und Kartoffeln werde voraussichtlich um 6,4 bis 14,1 Prozent sinken, wodurch fast 150 Millionen Menschen zusätzlich unter Eiweißmangel leiden könnten. 

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Da extreme Wetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen, steigt laut IPCC die Gefahr, dass die Ernten in mehreren Kornkammern der Welt gleichzeitig ausfallen. Die Autoren rechnen daher mit einem Anstieg der Lebensmittelpreise bis zur Mitte des Jahrhunderts um fast ein Drittel, wodurch weiteren 183 Millionen ärmeren Menschen Hunger drohe.

Für Asien und Afrika prognostiziert der Berichtsentwurf eine Zunahme der Zahl der unterernährten Kinder bis zum Jahr 2050 um zehn Millionen.

Wassermangel vertreibt Menschen

Etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung leidet bereits jetzt unter unsicherer Wasserversorgung. Der IPCC legt dar, welche Auswirkungen der Mangel in Zukunft haben könnte. Die Berichtsautoren halten es für wahrscheinlich, dass deswegen zwischen 30 und 140 Millionen Menschen in Afrika, Südostasien und Lateinamerika bis 2050 zu Binnenvertriebenen werden könnten.

Bis zu drei Viertel der Grundwasservorräte, Hauptquelle für Trinkwasser für 2,5 Milliarden Menschen, könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts versiegen. Maria Neira von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Folgen. „Es wird massive Vertreibungen geben, massive Migration, und wir müssen all das als ein globales Problem behandeln.“

Anopheles-Mücken: Sie übertragen Malaria, die in Deutschland verschwunden ist, aber mit Mücken wiederkehren könnte, die den Erreger in sich tragen. imago/Blickwinkel

Mit der Erderwärmung breiten sich Mücken und andere Krankheitsüberträger aus. Die Hälfte der Weltbevölkerung könnte bis Mitte des Jahrhunderts Krankheiten wie dem Dengue- und Gelbfieber ausgesetzt sein. Die Gefahr von Malaria oder Borreliose werde zunehmen, klimabedingt würden mehr Kinder an Durchfallerkrankungen sterben.

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Auch Krankheiten, die mit schlechter Luftqualität und Ozonbelastung zusammenhängen, werden laut IPCC erheblich zunehmen. Sein Berichtsentwurf weist zudem auf „ein erhöhtes Risiko der Verunreinigung von Lebensmitteln und Wasser durch Gifte im Meer“ hin.