Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) will keinen Bio-Sprit mehr.
Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) will keinen Bio-Sprit mehr. dpa/Kay Nietfeld

Damit Autofahren umweltfreundlicher wird, wird seit Jahrzehnten dem normalen Kraftstoff Bio-Sprit aus Nutzpflanzen beigefügt. Das schmeckte schon damals nicht jedermann. Nun will Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne)  die Herstellung von Bio-Sprit aus Getreide zügig beenden. Denn Getreide sei zum Essen da.

„Wir brauchen in der Bundesregierung eine vernünftige Einigung, dass wir schrittweise runtergehen vom Biosprit aus Nahrungspflanzen, um diese für die menschliche Ernährung nutzen können“, sagte Özdemir den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Sonntag. „Ich würde es befürworten, wenn wir ab 2030 im Verkehrssektor auf Kraftstoff aus Anbaubiomasse verzichten würden.“

Lesen Sie auch: Brasilien: Gewaltsamer Protest – Bolsonaro-Anhänger stürmen Kongress>>

Getreide solle „in erster Linie für die menschliche Ernährung genutzt werden“, betonte Özdemir. „Die Herstellung von Biosprit aus Nahrungspflanzen hat keine Zukunft - vor allem nicht, wenn wir das Thema Ernährungssicherheit und bezahlbare Lebensmittel ernst nehmen.“

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) kritisierte die Äußerungen des Ministers. „Biokraftstoffe sind derzeit und bis 2030 die einzige in größeren Mengen vorhandene Alternative zu fossilen Kraftstoffen“, erklärte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann.

Schluss mit Bio-Sprit: Kraftstoffverband ist sauer

Bei der Produktion von Biodiesel und Bioethanol entstehe als Koppelprodukt wertvolles Eiweißfuttermittel. Wenn Özdemir Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse abschaffen wolle, müsse er auch sagen, „wie er dieses gentechnikfreie Tierfutter ersetzen will, das der Nahrungsmittelherstellung dient“.

Özdemir wandte sich in dem Interview auch gegen ein Totalverbot von Pestiziden in Schutzgebieten. „Wir haben Sonderkulturen wie den Obstbau und den Weinbau, die für unsere Kulturlandschaften und deren Artenvielfalt prägend sind“, sagte er. „Für die müssen wir tragfähige Lösungen finden, sonst gibt es keinen Wein mehr aus der Pfalz und kein Obst vom Bodensee.“

Özdemir lehnte es ab, die Stilllegung von Anbauflächen um ein weiteres Jahr auszusetzen. „Der Kompromiss war eine einmalige Reaktion auf den russischen Angriff, um die Märkte zu stabilisieren“, betonte er. „Genauso wie die Aussetzung der sogenannten Fruchtfolge-Vorgabe, damit auf dem gleichen Acker Weizen auf Weizen angebaut werden kann.“ Künftig gelte wieder, „dass vier Prozent der Fläche für den Arten- und Bodenschutz reserviert sind“. Dafür erhielten Landwirtinnen und Landwirte jährlich ihre Agrarförderung.

Das Beimischen von Bio-Sprit soll der Vergangenheit angehören.
Das Beimischen von Bio-Sprit soll der Vergangenheit angehören. Imago/Panthermedia

Die Bundesregierung hatte eine EU-Regelung, die für alle landwirtschaftlichen Betriebe ab 2023 eine Stilllegung von vier Prozent der Flächen vorsieht, für ein Jahr ausgesetzt. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU sieht eigentlich vor, dass ab 2023 auf Ackerland jährlich etwas anderes angebaut werden muss.

Der Fruchtwechsel soll die Böden schützen. Vier Prozent der Anbauflächen müssen stillgelegt werden. Brüssel hatte den Mitgliedstaaten aber die Möglichkeit eingeräumt, diese Auflagen für den Getreideanbau zu lockern. So soll die Getreideproduktion gesteigert und mögliche Ausfälle infolge des Ukraine-Krieges kompensiert werden.