Experten warnen vor einem flächendeckenden Blackout. dpa/Julian Stratenschulte

Die Folgen wären zerstörerischer als alle Naturgewalten und verheerender als die Corona-Pandemie: Ein lang anhaltender, flächendeckender Stromausfall gilt unter Experten als das schlimmste Katastrophenszenario. Doch Deutschland ist darauf nur mangelhaft vorbereitet, warnt der Versicherungsverband GDV.

Für einen auf der GDV-Webseite erschienenen Beitrag befragte der Verband mehrere Katastrophenschützer und Krisenmanager. Albrecht Broemme, der frühere Präsident des Technischen Hilfswerks, hält demnach Hackerangriffe für die größte Gefahr. Auch Anschläge oder Extremwettereignisse könnten an neuralgischen Punkten die Netzstabilität in ganz Europa gefährden.

„Die Sensibilität für die Folgen eines Blackouts ist in keiner gesellschaftlichen Gruppe vorhanden“, wird Broemme vom GDV zitiert. „Auf einen Blackout ist Deutschland überhaupt nicht vorbereitet.“

Stromausfall stoppt das Leben, wie wir es kennen

Ein Blackout gehöre „zu den größten Risiken für unser Land“, sagt laut GDV auch Wolfram Geier, Abteilungsleiter für Risikomanagement und Internationale Angelegenheiten im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Passend zu den Warnungen gab die Deutsche Telekom am Mittwoch bekannt, dass sie gemeinsam mit Hitachi Energy und dem Sicherheits- und Wachdienst Securitas Schutz für Energieversorger anbieten will.

Die drei Unternehmen kombinieren IT-Sicherheit mit althergebrachtem Werk- und Anlagenschutz in Form von Wachleuten und Alarmanlagen. Schließlich könnten Kriminelle oder Terroristen Kraftwerke, Leitungen und andere Einrichtungen auch altmodisch mit Waffen angreifen.

Die Folgen eines Stromausfalls sind schon nach wenigen Stunden verheerend. Das bekamen die Berliner im Februar 2019 in Köpenick am eigenen Leib zu spüren, nachdem bei Bauarbeiten eine Stromleitung gekappt worden war. Mit dem Strom kommt unser alltägliches Leben zum Stillstand. Telefon und Internet fallen aus, U- und S-Bahnen sind lahmgelegt, Aufzüge bleiben stecken, Flugzeuge bleiben am Boden. Geldautomaten spucken kein Geld mehr aus und in Supermärkten bleiben die Registrierkassen stehen und in Kliniken stoppen ohne Notstrom die Beatmungs- und Dialysegeräte.

Gefahr fürs Stromnetz durch Energiewende

Unabhängig von möglichen kriminellen oder terroristischen Attacken gibt es auch die Befürchtung, dass die Stabilität des Stromnetzes in Deutschland und Nachbarländern unter der Energiewende leiden könnten.

Ende dieses Jahres sollen die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Gravierende Stromausfälle hat es in Deutschland bislang nicht gegeben, aber die Zahl der Eingriffe der Netzbetreiber zur Stabilisierung des Stromnetzes ist deutlich höher als vor Beginn der Energiewende.

Denn die Stromerzeugung in Deutschland wird mit steigendem Anteil wetterabhängiger Sonnen- und Windenergie schwankungsanfälliger und weniger planbar. Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch. Dies gilt insbesondere für Süddeutschland, wo der Strombedarf wegen der vielen Industrieunternehmen besonders hoch ist. Der geplante Bau zweier Stromtrassen aus Nord- und Ostdeutschland in den Süden liegt – nach dem Muster anderer Großprojekte in Deutschland – hinter dem Zeitplan.

Eine Umfrage des Onlineportals Verivox aus dem September deutet darauf hin, dass der Gedanke an einen längeren Stromausfall für die Mehrheit der Bevölkerung bislang tatsächlich keine Rolle spielt. 65 Prozent der Befragten gaben demnach an, sich noch nie mit dem Thema befasst zu haben. Doch auch von den übrigen 35 Prozent sah demnach knapp die Hälfte keinen Anlass für persönliche Vorbereitungen. Ein Beispiel wäre ein Vorrat von Kerzen, Lebensmitteln und Bargeld.