Das Video einer Überwachungskamera zeigt, wie Schmuggler Kinder auf US-Gebiet werfen.  Foto: dpa/U.S. Customs and Border Protection/

Phoenix - Eine Grenzmauer. Schleuser. Kleine Kinder, die in der Dunkelheit auf US-Gebiet fallengelassen werden. Ein unscharfes Video macht die Gefahren für Migrantenkinder an der Grenze zu Mexiko deutlich. Da  lässt ein Mann nahe Santa Teresa im US-Staat New Mexico ein Kleinkind auf der anderen Seite einer mehr als vier Meter hohen Absperrung herab. Er hält das kleine Mädchen am Arm fest und lässt dann los. Es landet auf den Füßen und fällt dann mit dem Gesicht auf die Erde. Der Schleuser macht das gleiche mit einem anderen, etwas größeren Kind, das auf dem Po landet. 

Die Aufnahmen einer ferngesteuerten Kamera sind Zeugen der Dramen, die sich an der Grenze abspielen. Dahinter steht eine große Verzweiflung: eine Familie, die ihre Kinder in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sie einem solchen Risiko aussetzt.   

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Jeden Tag treffen an der US-mexikanischen Grenze Tausende Migranten aus den Staaten Mittel- und Südamerikas ein, geflüchtet  vor Gewalt und Not in ihrer Heimat. Andere hoffen einfach nur auf ein besseres Auskommen.

Ein Kind schaut durch den Grenzzaun, den Donald Trump an Teilen der US-Mexiko-Grenze errichten ließ, und der die Fluchtbewegung nicht stoppt. Foto: AP/dpa/Julio Cortez

Viele Kinder sind alleine unterwegs. Im Februar zählten die Grenzbehörden mehr als 9000 unbegleitete Jungen und Mädchen, so viele wie noch nie seit Mai 2019. Damals waren 11 000 Kinder ohne Eltern an die Grenze gekommen.

Anders als in der Regel die Eltern dürfen alle unbegleiteten Minderjährigen in den USA bleiben. Das hat viele Eltern dazu bewogen, ihre Kinder alleine auf den Weg nach Amerika zu schicken oder sie bis an die Grenze zu begleiten.  

Bei den Kindern auf dem Video handelt es sich nach Angaben der Grenzbehörden um zwei Schwestern im Alter von drei und fünf Jahren aus Ecuador. Sie wurden in gutem Gesundheitszustand aufgefunden. Zuletzt waren sie in einer Einrichtung des Grenzschutzes untergebracht. Die Mutter der Mädchen ist in den USA und die Behörden stehen mit ihr in Kontakt.

Viele der allein Kinder haben Verwandte in den USA. Wenn sie – wie vermutlich die beiden kleinen Mädchen aus Ecuador - zu jung sind, um sich an  Telefonnummern zu erinnern, haben sie oft Kontaktinformationen - manchmal auf Zetteln, manchmal auf die Haut geschrieben.