Der Ausbau des Mobilfunknetzes geht offenbar nur langsam voran.
Der Ausbau des Mobilfunknetzes geht offenbar nur langsam voran. dpa/Daniel Reinhardt

Gar kein Netz gibt es kaum noch in Deutschland, aber in manchen Ecken wird das Aufrufen einer Internetseite auf dem Handy zur Geduldsprobe. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), auch für Digitales zuständig, erhöht deshalb den Druck auf die Netzbetreiber, weil Auflagen beim Schließen von Funklöchern voraussichtlich bis zum Jahresende nicht erfüllt werden. Wissing: „Das kann vielfältige Gründe haben, etwa weil Lieferverzögerungen, Bürgerinitiativen oder langwierige Genehmigungsverfahren den Ausbau ausbremsen.“

Lesen Sie auch, dass Verwandtschaft mit dem mächtigsten Mann Irans nicht vor Haft schützt >>

Wissing drohte: „Da, wo Netzbetreiber in der Verantwortung stehen, sollte aus unserer Sicht aber auch von rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch gemacht werden, selbstverschuldete Verzögerungen zu sanktionieren.“ Sanktionen müsste die Bundesnetzagentur verhängen. Bei einem Verstoß wird es für die Netzbetreiber teuer. Ob es dazu kommt, blieb nach einer Sitzung des Beirats der Agentur am Montag offen.

Schneller Anstieg der Versorgung mit dem 5G-Standard für Handys

Rund 97 Prozent der Fläche sind nach Angaben der Bundesnetzagentur mit 4G versorgt. Zahlen zeigen außerdem, dass die Versorgung durch die großen Netzbetreiber mit dem neuesten Mobilfunkstandard 5G in der Fläche im Oktober 2022 bei rund 79 Prozent lag und somit um knapp 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen ist.

Lesen Sie auch: Familienministerin Paus: „Vaterschaftsurlaub“ soll kommen – aber erst 2024 >>

Sowas nervt in manchen Ecken Deutschlands noch immer.
Sowas nervt in manchen Ecken Deutschlands noch immer. dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Aber schon in der vergangenen Woche war aus einem Bericht der Bundesnetzagentur an den Beirat hervorgegangen, wird voraussichtlich keiner der drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica die Ausbauauflagen bei 4G-Funklöchern erfüllen.

Jeder der drei großen Netzbetreiber muss 167 „weiße Flecken“ mit 4G/LTE oder 5G versorgen

Es geht um „weiße Flecken“ – Gebiete, in denen bisher keiner der Netzbetreiber dort die Standards 4G/LTE oder 5G und einen Download von 100 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Laut einer Auflage aus der Frequenzauktion von 2019 müssen Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 dies bis Jahresende in 500 Gebieten ermöglichen. Jede Firma soll ein Drittel übernehmen, also 167, und den anderen Zugang verschaffen.  

Bis zu zwölf Monate dauert die Genehmigung eines Funkmasts für das Handy-Netz

Die Telekom teilte mit, dass man bis Silvester 44 „weiße Flecken“ schließen werde. Anfang November waren es nur 28. Aus Sicht der Telekom bedeutet das „temporäre Nichterreichen“ der Zahl 167 zum Jahreswechsel nicht, dass die Auflage überhaupt nicht erreicht werde.

Denn die mit den Bundesländern abgestimmte Behördenliste mit der Lage der „weißen Flecken“ habe erst Ende 2021 vorgelegen. Die Suche und die Anmietung von Standorten – wenn man sie überhaupt bekomme – dauere im Schnitt sieben Monate, Genehmigungen für Funkmasten acht bis zwölf Monate. 

Telefónica Deutschland („O2“) teilte mit, dass man die Auflage inzwischen in 55 Gebieten erfüllt habe. Anfang November waren es 45.  Ein Sprecher sagte, dass man in fast allen der 500 Gebiete zwar keine 100 Megabit pro Sekunde schaffe, aber durch die Verbesserung angrenzender Standorte „bereits eine leistungsfähige Mobilfunkversorgung über 4G/LTE hergestellt“ habe.

Vodafone berichtete lediglich von Fortschritten. Anfang November hatte das Unternehmen erst zwölf „weiße Flecken“ beseitigt.

Vierter Netzbetreiber hängt fest

Eigentlich sollte bis Jahresende ein vierter Netzbetreiber hinzukommen: Der Neueinsteiger „1&1“ ersteigerte 2019 erstmals Frequenzen, bis Ende dieses Jahres sollten eintausend 5G-Standorte aktiviert werden. Doch wegen Verzögerungen bei einer Infrastrukturfirma könne man dieses Ziel erst im Sommer 2023 erreichen.

Nach Angaben auf der Webseite breitband-monitor.de der Bundesnetzagentur gab es im Oktober auf 2,94 Prozent der Fläche Deutschlands „weiße Flecken“. Echte Funklöcher gibt es auf 0,32 Prozent der Fläche: Dort ist nicht mal 2G zu empfangen.