Lissabon. So geht Lockdown, der wirkt.
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Eifersüchtig wachen die Bundesländer über ihre Zuständigkeiten. Jeder macht gegenüber Corona seins, mal zu recht, mal aberwitzig. Damit könnte Schluss sein: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat mal eben ein Gutachten erstellen lassen, das zu dem Schluss kommt, dass der Bund in die Befugnisse der Länder einzugreifen berechtigt ist.

Das hört sich gut an. Es könnte dem Herumgedruckse und den Ausflüchten ein Ende setzen, die trotz Umfrageergebnissen und der flehentlichen Bitten der Mediziner verhindern, den ganzen Laden für einige Wochen wirklich herunterzufahren. 

Klar, Portugal ist kleiner und ärmer, aber dieses Land hat es mit einem wirklich knallharten Lockdown vorgemacht, der in Deutschland vermutlich zu Heulen und Zähneklappern führen würde. Inklusive des Verbots, Besuche zu machen, egal, ob man verwandt ist oder nicht, ob man über oder unter 14 Jahre alt ist. Reisen innerhalb des Landes sind auch über Ostern untersagt.

Der Erfolg: Lag die Inzidenz in Portugal im Januar bei fast 900 Ansteckungen pro Woche und 100.000 Einwohner, quollen die Krankenhäuser über, liegt sie jetzt bei unter 30 und damit bei einem Bruchteil der deutschen Ansteckungsquote.  

Der Durchgriff des Bundes könnte auch der Verantwortungslosigkeit ein Ende setzen - man erinnert sich, dass zunächst nur die Kanzlerin den Mumm hatte zuzugeben, dass die sogenannte Osterruhe nicht das Gelbe vom Ei war, und die Damen und Herren Ministerpräsidenten erst danach im Windschatten Merkels auch Entschuldigungen murmelten.

Im Kanzleramt und den Ministerien dürften jetzt die Köpfe rauchen. Traut man sich, die Länder zu entmachten, und damit auch die Verantwortung zu übernehmen, oder traut man sich nicht? 

Es werden Wetten angenommen.