Sahra Wagenknecht (Die Linke) ist Bundestagsabgeordnete und ehemalige Fraktionsvorsitzende. Foto: Imago

Die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht geht mit der Politik in Deutschland, aber vor allem auch mit linken Parteien hart ins Gericht. In einem aktuellen Interview auf Spiegel Online kritisiert sie, dass die Parteien zunehmend den Kontakt zu den normalen Menschen verlieren würden, zugleich sei die Konzentration von Vermögen und wirtschaftlicher Macht gestiegen verbunden mit dem Einfluss wirtschaftlicher Interessengruppen. „Allein über Parteien funktioniert Demokratie nicht mehr“, sagt Wagenknecht in dem Spiegel-Interview.

Sie warnt davor, dass große Teile der Bevölkerung sich politisch nicht mehr repräsentiert fühlen: Arbeiter würden zu großen Teilen rechts wählen, Ärmere gar nicht mehr. Das sei „Demokratieversagen“. Wagenknecht wörtlich: „Ich möchte nicht, dass wir irgendwann enden wie die USA: als ein zutiefst gespaltenes Land.“

Auch die Linken hätten kein geeignetes Mittel gefunden gegen diese Tendenzen. Sozialdemokratische und linke Parteien würden heutzutage vor allem die akademische Mittelschicht der Großstädte vertreten und nicht, wie sie fordert, die „Interessen derer zu vertreten, die sonst keine Lobby haben“, namentlich Geringverdiener, die untere Mitte und die Arbeiterschaft.

Zuhören statt abstempeln

Man sollte auf ihre Stimmen hören statt sie als rückschrittlich abzustempeln. „Wer jeden, der Zuwanderung begrenzen will, zum Rassisten abstempelt, oder jeden, der die Corona-Politik der Regierung kritisiert, zum Covidioten, isoliert sich von diesen Schichten“, sagt die Linke-Politikerin in dem Interview. Die Linke sollte ernst nehmen, dass Menschen, die mit Zuwanderern um Arbeitsplätze und Wohnungen konkurrieren, eine andere Sicht haben.

Am Sonnabend will die Linke bei einem Online-Parteitag eine neue Führung wählen. Die bisherigen Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger treten nach fast neun Jahren an der Spitze nicht mehr an. Voraussichtlich abgelöst werden sie von der stellvertretenden Parteichefin und hessischen Fraktionschefin Janine Wissler und der thüringischen Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow. Andere aussichtsreiche Kandidaten gibt es nach jetzigem Stand nicht. Sahra Wagenknecht rief das künftige Führungsduo dazu auf, die Partei zu einen. Wagenknecht selbst will nochmals für den Bundestag kandidieren.