Der Kanal, der Dnipro-Wasser auf die Krim leitete, liegt seit 2014 trocken. Die Ukraine stoppte die Wasserversorgung, nachdem Russland die Halbinsel annektiert hatte. Foto: Aleksander Kaasik/Wikipedia

Bei den Feiern zur „Wiedervereinigung“ der eigentlich ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim mit Russland am 18. März dürfte sich die Freude der Bewohner diesmal in Grenzen halten. Zwar kann der russische Präsident Wladimir Putin sieben Jahre nach der Annexion auf große Infrastrukturprojekte verweisen wie die Brücke, die die Krim über die Meerenge von Kertsch mit Russland verbindet. Doch eine Wasserleitung hat die Brücke nicht, und das hat Folgen: Mangel an Trinkwasser. Ukrainische Militärs fürchten einen Angriff Russlands, um wieder an Wasser für die Krim zu kommen.

 Wegen einer Blockade der Wasserversorgung vom ukrainischen Festland – Kiew hatte den Nord-Krim-Kanal 2014 nach der russischen Annexion geschlossen – und wegen fehlender Niederschläge droht der Halbinsel das Austrocknen. Deshalb ordnete der Chef der Krim-Republik, Sergej Aksjonow, einen sparsamen Umgang  an. Viele Regionen - auch in den bei Touristen beliebten Kurorten wie Jalta und Aluschta - haben seit Monaten nur noch stundenweise am Tag fließendes Wasser. Seit drei Jahren verzeichnet die Krim kaum Niederschlag.

Im August 2020 wurde diese Rohrverbindung zwischen zwei Wasserreservoires fertig, nachdem es in der Krim-Hauptstadt Simferopol zu Knappheit gekommen war.  
Foto: imago/ITAR-TASS/Sergej Malgawko

„Selbst wenn es Niederschlag gibt, wird das Wasser sofort im ausgedörrten Boden versickern“, sagt Aksjonow. Nichts davon werde in den Stauseen landen. Er mahnt zur Sparsamkeit, damit im Sommer, wenn die Touristen vor allem vom russischen Festland kommen, möglichst viel Wasser da ist. „Damit die Leute bei uns Geld verdienen können an den Gästen“, sagt er. Kritiker bemängeln aber, dass sieben Jahre nach der Vereinigung mit Russland das Wasserproblem auf der Krim als das wichtigste immer noch nicht gelöst ist.

Dabei hatte die russische Regierung einen Plan zur Versorgung der Krim mit Wasser mit einem Finanzierungsumfang von 49 Milliarden Rubel (rund 558 Millionen Euro) erstellt. Es sollten Trinkwasserbrunnen gebohrt, Wasserleitungen repariert und vor allem Anlagen zur Entsalzung von Meerwasser errichtet werden. Vor der Annexion der Krim, die Russland nach einem Referendum vom 16. März 2014 gegen internationalen Protest durchzog, wurden bis zu 85 Prozent des Wasserbedarfs der über zwei Millionen Einwohner durch Wasser des Flusses Dnipro (russisch Dnjepr) gedeckt.

Kein Wasser mehr vom Festland

Doch seit der Schließung des Nord-Krim-Kanals gelangt kein Tropfen mehr auf die Halbinsel. Die Ökologin Margarita Litwinenko sieht kaum Chancen, dass Russland den Wasserbedarf aus Krimquellen decken kann. Die Bewohnerin von Sewastopol, wo Russlands Schwarzmeerflotte ihren Sitz hat, meinte, dass der Grundwasserspiegel auf der Halbinsel bereits auf eine Tiefe von 20 bis 25 Metern abgesunken sei. Zudem sei die Entsalzung von Meerwasser teuer und aufwändig. Wegen der Sanktionen des Westens fehlt den Behörden dort zudem der Zugang zu wichtigen Technologien.

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Viele Krim-Bewohner sehen heute ausgedörrte Flächen, trockene Flussbetten und fast leere Trinkwasserreservoires. Bürger berichten auf Internet-Plattformen, sie würden sich mit Bottichen in allen Größen eindecken, um Regenwasser zu sammeln - oder das Wasser, das stundenweise aus dem Hahn fließt, aufzufangen und zu speichern. Solche Nachrichten werden in der ukrainischen Hauptstadt Kiew fast mit Genugtuung aufgenommen.

Mit dem Auto kommt man seit 2019 wieder von Russland auf die Krim, weil die Brücke von Kertsch fertig ist. Foto: dpa/Ulf Mauder

Immerhin galt die Wasserversorgung lange als wichtigster Grund dafür, weshalb die Krim nur zur Ukraine gehören kann und nicht zu Russland. 1954 hatte der damalige Kremlchef Nikita Chruschtschow die Krim der ukrainischen Sowjetrepublik überschrieben. Das Völkerrecht sieht die Krim als Teil der Ukraine. Die Schuld an der heutigen Lage gibt das offizielle Kiew deshalb allein der Führung in Moskau. Der Wassermangel verschärfe sich auch, weil die starke russische Militärpräsenz mit Zehntausenden Soldaten viel verbrauche, heißt es in Kiew.

Kein Abzug, kein Wasser

Zudem seien „mindestens 300.000 russische Staatsbürger aus anderen Teilen der Russischen Föderation auf unsere Krim umgesiedelt“, sagt der Vertreter des ukrainischen Präsidenten für die Krim, Anton Korinewitsch. Ein Vergleich der ukrainischen Statistik vor 2014 mit heutigen russischen Statistiken lässt jedoch auf weniger als 100.000 Zugezogene schließen. Ohne Abzug der Russen, betont aber Korinewitsch, könne von einer Wiederaufnahme der Wasserversorgung keine Rede sein.

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Die ukrainische Militärführung betrachtet die Lage mit Sorge. In einem Interview schloss Konteradmiral Alexej Neischpapa einen russischen Angriff von der Krim auf den Süden der Ukraine nicht aus. Er warnt vor der Gefahr, dass Russland sich den Zugang zu Trinkwasser erkämpfen könnte. „Wir bereiten uns darauf vor“, sagte der Oberbefehlshaber der ukrainischen Seestreitkräfte. „Sobald wir sehen, dass auf der Krim der Kanal saniert wird, dann ist das ein glaubhaftes Signal dafür, dass sich Russland auf eine große Konfrontation vorbereitet.“