Russische Panzer rollen bei der bombastischen Militärparade über den Roten Platz in Moskau. AP/Alexander Zemlianichenko

Als Oberbefehlshaber der stolzen Atommacht Russland lief Kremlchef Wladimir Putin (67) zu Höchstform auf: Mit Soldaten, Panzern, Raketen und internationalen Gästen feierte er am Mittwoch die größte Militärparade der russischen Geschichte. Begangen wurde der 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hilter-Deutschland. Die Parade hätte eigentlich schon am 9. Mai stattfinden sollen, wurde aber wegen der Corona-Krise verschoben.   

Mehr als 13.000 Soldaten marschieren auf dem Roten Platz zu Live-Musik eines Militärorchesters auf. Von der Tribüne nimmt Kremlchef Putin im Beisein von Kriegsveteranen die bombastische Waffenschau ab. Panzer, Luftabwehrsysteme und atomar bestückbare Interkontinentalraketen rollen an den Kreml-Mauern vorbei – der Stolz der russischen Streitkräfte und eine Abschreckung für den Feind. 

„Es ist nicht möglich, sich vorzustellen, was mit der Welt passiert wäre, wenn die Rote Armee sie nicht verteidigt hätte“, donnert Putin bei seiner Ansprache. Das Volk der Sowjetunion habe einen nicht wieder gutzumachenden Preis für die Freiheit Europas gezahlt und die Hauptlast des Zweiten Weltkriegs getragen. 27 Millionen Todesopfer zählte das Land. Das sei die „Wahrheit über den Krieg“, die nie vergessen oder verfälscht werden dürfe.

Sowjetunion besiegte „das totale Böse“

Deutschland habe mit seinem Überfall auf die Sowjetunion 1941 mehr als 80 Prozent seiner Streitkräfte gegen das Land gerichtet. Diese „unerbittliche Armada“ und „das totale Böse“ seien aber am Widerstand des sowjetischen Volkes zerbrochen, so Putin. Die Weltgemeinschaft sei nun aufgerufen, an einem neuen System für die globale Sicherheit zu arbeiten: „Nur zusammen können wir die Welt vor neuen gefährlichen Bedrohungen beschützen.“

Im Vorfeld der Parade hatte es eine hitzige Debatte über den Sinn des Schauspiels gegeben. Denn auch sieben Wochen nach dem ursprünglich angesetzten Termin am „Tag des Sieges“ ist die Corona-Pandemie nicht überwunden. Experten warnten vor dem Ansteckungsrisiko bei der Massenveranstaltung - ohne Corona-Masken, ohne Mindestabstand. Der neue Termin am Mittwoch markierte den 75. Jahrestag von Stalins erster Siegesparade auf dem Roten Platz.

Scharfe Kritik an Millionen-Kosten

Doch nicht nur wegen Corona war der Aufmarsch umstritten. Auch die Kosten von rund zwölf Millionen Euro sorgten für Kritik. Putin-Gegner halten solche Ausgaben in Zeiten schwerster wirtschaftlicher Probleme für sinnlos. Der von den Panzern zerstörte Asphalt, der Treibstoff, die Sicherheitsvorkehrungen: Das komme den Staat teuer zu sehen, so der Anti-Korruptions-Kämpfer Alexej Nawalny.

Für Putin war das Großereignis nach Wochen der Isolation in seiner Vorstadtresidenz aber auch eine Rückkehr auf die Bühne der Weltpolitik. Am 1. Juli ist die Abstimmung über die historische Verfassungsänderung angesetzt, die Putin dauerhaft die Macht in Russland sichern soll. Das nächste große Kriegsgedenken soll am 26. Juli stattfinden: der Marsch des „Unsterblichen Regiments“. Dabei tragen die Menschen zu Hunderttausenden Porträts ihrer Angehörigen aus den Kriegstagen durch die Straßen. (mit dpa)