Dmitri Medwedev
Dmitri Medwedev imago/Ekaterina Shtukina

Ganz offen drohen die Russen jetzt auch Deutschland und ganz Europa.

Nachdem die Bundesregierung das Zulassungsverfahren  der deutsch-russischen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 auf Eis gelegt hat, warnt Ex-Präsident Dmitri Medwedew die Verbraucher im Westen vor einer Explosion der Gaspreise. „Der deutscher Kanzler Olaf Scholz hat gefordert, die Zertifizierung von Nord Stream 2 auszusetzen“, schrieb der aktuell stellvertretende Vorsitzende des russischen Nationalen Sicherheitsrates auf Twitter. „Na dann, willkommen in einer neuen Welt, in der die Europäer bald 2000 Euro für 1000 Kubikmeter Gas bezahlen werden.“

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Medwedew will Gaspreis verdoppeln

Unverhohlen stellt Medwedew also eine Verdoppelung des Preises in Aussicht. Er machte zwar keine genaueren Angaben dazu, ob er sich mit 2000 Euro den Importpreis oder den Preis für den Endverbraucher meinte. Fakt ist: In jedem Fall läge ein Wert von zwei Euro pro Kubikmeter aber deutlich über aktuellen Preisen.

Die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2
Die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 dpa

„Schwere Verstöße gegen das Völkerrecht“

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte das Genehmigungsverfahren für das umstrittene Gasprojekt Nord Stream 2 zuvor als Reaktion auf das russische Vorgehen in der Ukraine ausgesetzt. Die Zulassung der Gasröhre durch die Ostsee müsse nun angesichts der Eskalation in der Ostukraine neu bewertet werden, sagte der Kanzler. Den Russen warf er „schwere Verstöße gegen das Völkerrecht“ vor.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Montag das Existenzrecht der Ukraine in Zweifel gezogen. Außerdem erkannte er die  separatistischen Gebiete Luhansk und Donezk im Osten des Landes als eigenständig an. Washington hatte sofort erste Strafmaßnahmen gegen die Separatisten-Gebiete verhängt.

Die Versorgung mit Gas sieht Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) trotz der aktuellen Eskalation gesichert.  Er rechne zwar damit, dass der Gaspreis kurzfristig steige. Er sei aber zuversichtlich, dass sich der Weltmarkt, dass sich der Markt wegen der im Frühjahr sinkenden Nachfrage schnell beruhigt.

Laut Habeck müsse es längerfristig darum gehen, die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energien zu reduzieren. Russland habe sich als Lieferant als „geostrategisch unzuverlässig“ erwiesen, so der Minister.  Der Umstieg auf erneuerbare Energien und der Abschied vom Import fossiler Energieträger wie Öl und Gas diene insgesamt dazu, Verbraucherinnen und Verbraucher „mittel- und langfristig zu schützen vor einem instabilen Marktumfeld“.

Nord Stream 2 endet in Lubmin (MeckPomm)
Nord Stream 2 endet in Lubmin (MeckPomm) AP/Michael Sohn