Oleg Tinkow verurteilte in seinem Protest-Post den Angriffskrieg gegen die Ukraine. imago/Itar-Tass

Die russischen Behörden gehen massiv gegen Kritiker der Ukraine-Invasion vor. Auf Äußerungen, die von der Regierung als „Falschnachrichten“ über die Armee eingestuft werden, stehen bis zu 15 Jahre Haft.

Auch vom Kreis der russischen Oligarchen wagte niemand, Wladimir Putins Angriffskrieg zu verurteilen. Doch jetzt bricht der russische Milliardär Oleg Tinkow sein Schweigen. In einem Instagram-Post ging der Gründer der Tinkoff-Bank nun hart mit der russischen Armee und dem Führungszirkel um Kreml-Chef Putin ins Gericht.

Oleg Tinkow: „90 Prozent der Russen sind gegen diesen Krieg“

Tinkow warf der russischen Armee vor, „Massaker“ in der Ukraine zu verüben, und forderte ein Ende des „irrsinnigen Krieges“ gegen das Nachbarland. „90 Prozent der Russen sind gegen diesen Krieg“, schrieb der im Ausland lebende russische Oligarch. Nur eine Minderheit unterstütze den Krieg. „Aber zehn Prozent jedes Landes sind Idioten.“

Die russischen Generäle hätten inzwischen erkannt, „dass sie eine Scheißarmee haben“, schrieb Tinkow. „Und wie sollte die Armee auch gut sein, wenn der ganze Rest des Landes beschissen ist und beschmutzt ist von Vetternwirtschaft, Speichelleckerei und Unterwürfigkeit.“ Er selbst sehe „keinen einzigen Profiteur dieses irrsinnigen Krieges“, der nur dazu führe, dass „unschuldige Menschen und Soldaten sterben“.

Westen muss dieses Massaker stoppen

Auf Englisch richtete sich Tinkow an den Westen: „Bitte zeigen Sie Herrn Putin einen klaren Ausweg, mit dem er sein Gesicht wahren kann und durch den dieses Massaker gestoppt wird. Bitte seien Sie rationaler und menschenfreundlicher.“

Auch Oleg Tinkow ist von Sanktionen betroffen

Der Eintrag Tinkows wurde bis Mittwochmorgen schon von fast 100.000 Nutzern mit „gefällt“ markiert. Zudem wurde der Beitrag innerhalb kürzester Zeit fast 20.000 Mal kommentiert.

Tinkow hat sein erstes Kapital mit dem Import von Elektronikwaren gemacht, ehe er dann eine Brauerei unter seinem Namen gründete. Zum Milliardär wurde er schließlich durch die Gründung einer Internetbank. Die Tinkoff-Bank äußerte sich nicht zu der wortreichen Kritik ihres Großaktionärs an Putins Krieg.

Tinkow lebt nach einer Leukämie-Erkrankung seit einigen Jahren hauptsächlich im Ausland. Er war einer der ersten unter Russlands Superreichen, die den Krieg gegen die Ukraine kritisierten. Schon im Februar nannte er den russischen Angriff „unfassbar und sträflich“.

Die russische Führung sollte ihr Geld lieber in die Bekämpfung von Krankheiten investieren, forderte er. In Moskau sind solche Aussagen inzwischen strafbar als Verunglimpfung der russischen Armee. Trotzdem fiel Tinkow als russischer Milliardär ebenfalls unter die Sanktionen, die Großbritannien gegen die russische Finanzelite verhängte.