Ein Polizist hält in St. Petersburg einen Demonstranten fest. Landesweit griffen Sicherheitskräfte hart durch. Foto: dpa/Valentin Egorshin

Bei landesweiten Protesten gegen Präsident Wladimir Putin sind die russischen Sicherheitskräfte erneut mit aller Macht gegen die Demonstranten vorgegangen. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation OVD-Info wurden bereits kurz nach Beginn der nicht genehmigten Demonstrationen am Sonntag mehr als 4000 Menschen festgenommen. 

Dabei gingen die Sicherheitskräfte in schwerer Montur mitunter brutal vor. In der Millionenmetropole St. Petersburg setzte die Polizei Berichten zufolge Tränengas und Elektroschocker ein. Ein Beamter drohte mit seiner Waffe.

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In Moskau riegelte die Polizei das Stadtzentrum ab und schloss mehrere U-Bahn-Stationen, um Menschenansammlungen zu verhindern.

Moskau: Polizisten verhaften einen Demonstranten, die Zahl der Festgenommen steigt minütlich. Foto: dpa/Dmitry Serebryakov

Die Demonstranten kritisierten unter anderem das Vorgehen der Behörden gegen Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und forderten dessen Freilassung.

Nach der Sperrung der Moskauer Innenstadt bildeten sich an verschiedenen Punkten Protestzüge. Sie riefen: „Putin ist ein Dieb“ und forderten „Freiheit“. Ein Zug mit Tausenden zog zum Moskauer Untersuchungsgefängnis Nummer eins – der im Volksmund so bezeichneten Matrosenstille. Dort sitzt Nawalny in Haft.

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Laut OVD-Info nahmen die Sicherheitskräfte in Moskau mindestens 140 Menschen fest, darunter auch Alexej Nawalnys Ehefrau Julia. Die 44-Jährige hatte zuvor bei Instagram ein Foto von sich auf der Straße veröffentlicht.

Im ganzen Land forderten Demonstranten die Freilassung des Putin-Gegners Alexej Nawalny. Foto: AFP/Olga Maltseva

In einem weiteren Eintrag mit einem Familienfoto kritisierte sie, dass ihr Mann inhaftiert sei, weil er es gewagt habe, den Mordanschlag mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok zu überleben. Sie war bereits bei Protesten vor einer Woche vorübergehend festgenommen worden.

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Zudem beklagte Nawalnaja, dass Alexejs Bruder Oleg Nawalny als „Geisel“ in Haft genommen worden sei. „Wenn wir schweigen, dann holen sie morgen jeden von uns.“ Sie warf dem Präsidenten Wladimir Putin vor, nach Belieben das Schicksal von Menschen zu bestimmen – er entscheide, „wer eingesperrt, wer vergiftet wird“.

US-Außenminister Antony Blinken verurteilte die „harte“ Reaktion der russischen Behörden. „Wir erneuern unseren Aufruf an Russland, diejenigen freizulassen, die wegen der Ausübung ihrer Menschenrechte festgenommen wurden“, schrieb Blinken auf Twitter. Der Kreml warf den USA am Sonntag „grobe Einmischung“ in die inneren Angelegenheiten Russlands vor.