In dem Telefonat lästerten die Russen-Oligarchen bitter über Putin: Verfickter Zwerg.
In dem Telefonat lästerten die Russen-Oligarchen bitter über Putin: Verfickter Zwerg. Gavriil Grigorov/SNA/Imago

Es sind deftige Flüche mit denen zwei russische Oligarchen Russlands Diktator Wladimir Putin belegt haben sollen. Über Putin und seinen Amtsvorgänger Dimitrij Medwedew sagen die beiden als Iosif Prigoschin und Farchad Achmedow identifizierten Männer am Telefon: „Verfickte Zwerge. Kleinwüchsig und unsicher.“ Sie würden alle hassen und alle hassten sie.

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Das ganze mutmaßliche Telefonat ist nur so gespickt mit deftiger Sprache. Ob es echt ist, ist bisher nicht klar. Zwar stritt Musikproduzent Iosef Prigoschin, der sich den Nachnamen mit dem Chef der Söldnertruppe Wagner teilt, ab, dass es echt sei. Später fügte er jedoch hinzu, dass es so etwas wie Privatsphäre gäbe. „Menschen können in Privatgesprächen über alles reden“, so Prigoschin auf Anfrage.

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Dass er Kontakt zu dem Oligarchen habe, bestätigte er jedoch. Der kremlnahe Politologe Sergej Markow glaubt zwar, dass die Aufnahmen nicht echt seien. Jedoch würde nicht wenige in den Moskauer Eliten so denken.

Soll im Telefonat zu hören sein: Musikmanager Iosif Prigoschin.
Soll im Telefonat zu hören sein: Musikmanager Iosif Prigoschin. Sergei Karpukhin/TASS/Imago

Russischer Oligarch: „Putin ist an allem schuld“

Das Gespräch soll bereits Ende Januar oder Anfang Februar abgehört und mitgeschnitten worden sein und wurde von ukrainischen Kanälen veröffentlicht. Eine unabhängige Überprüfung des Materials gab es bisher nicht. 

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Doch die Aussagen würden zumindest zu dem zweiten Oligarchen passen. Farchad Achmedow, der seine Milliarden unter anderem mit Gas in Sibirien gemacht hat, hatte sich zuvor auch öffentlich kritisch über Putin geäußert. Auch diesmal legt er nach. „Er wird uns nicht retten, er ist an allem schuld“, so Achmedow über den Kreml-Herrscher.

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Und so erzählen die beiden in dem Gespräch in sehr eindeutiger Sprache, was sie als russische Oligarchen durchaus trifft. So beklagt sich der Musikproduzent Prigoschin: „Sie haben das Land weggegeben. Sie haben es einfach weggegeben. Und jetzt können wir nirgendwo mehr hin.“

Die 115-Meter-Jacht Luna gehört Farchad Achmedow und ist wegen der Sanktionen gegen russische Oligarchen beschlagnahmt.
Die 115-Meter-Jacht Luna gehört Farchad Achmedow und ist wegen der Sanktionen gegen russische Oligarchen beschlagnahmt. Manfred Segerer/Imago

Sanktionen haben russische Milliardäre hart getroffen

Damit spricht Prigoschin die Sanktionen an, die Reisen ins Ausland für viele Russen-Oligarchen unmöglich gemacht haben. Auch Achmedow gibt an, dass er von Russlands großflächigem Angriff auf die Ukraine überrascht wurde. „Wer wusste von diesem 24. Februar?“ Leute hätten 35 Milliarden auf eingefrorenen Bankkonten. „Die können nicht mal essen.“

Der Mann jammert jedoch auf hohem Niveau. Im Hamburger Hafen steht seine Jacht, die von deutschen Behörden konfisziert wurde. Das Luxus-Schiff ist 430 Millionen Euro wert und gehörte einst einem weiteren russischen Oligarchen: Roman Abramowitsch, Ex-Besitzer des englischen Premier-League-Clubs Chelsea. Den musste er wegen der Sanktionen gegen russische Oligarchen nach Beginn der russischen Invasion 2022 abgeben.

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Putin habe die Entscheidung zum Krieg getroffen, ohne nachzudenken. „Der hat uns alle auflaufen lassen. Jeden und alles. Das ganze Land. Alle Leute“, so Farchad Achmedow. „Er hat quasi alle Russen begraben“, fügt Prigoschin hinzu.

„Blut unschuldiger Menschen vergossen“

Statt das Land in den 22 Jahren der Putin-Herrschaft auszubauen, haben man alles verspielt. „Sie haben alle verdammt verarscht. Verdammte echte Drecksäcke. Und haben das Blut unschuldiger Menschen vergossen“, so Achmedow weiter. Ob er damit auch die Ukrainer meint, ist unklar.

Denn die Kreml-Clique hätte den Krieg bereits vermasselt. „Putin hat gesagt: So lange wir die Armee haben. Kommt raus, dass es gar keine Armee gab“, so die Stimme, die Achmedow zugeordnet wird. Die Günstlinge hätten sich mit Geld beregnen lassen, als Russland große Einnahmen durch die Rohstoffverkäufe erzielte. „Aber jetzt wo es eine schwierige Situation ist, zeigen sie alle, dass sie nutzlos sind, unfähig, nicht klug, nicht sensibel, nicht qualifiziert.“ Sie seien stattdessen Kriminelle.

Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Soldaten in einer Stellung in der Nähe von Bachmut.
Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Soldaten in einer Stellung in der Nähe von Bachmut. Ukrainian Presidential Press Office/dpa

Versalzenes Lob für Ukrainer

Zudem heißt es, dass mehrere Minister aus der Putin-Clique wie Außenminister Sergej Lawrow, darauf warten würden, Verteidigungsminister Sergej Schoigu als Sündenbock hinzustellen. Über die Putin-Clique sagt Prigoschin: „Meine Meinung ist einfach. Die verhalten sich wie Könige, wie verdammte Götter. Absoluter verdammter Abschaum.“

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Zudem sehen die beiden Gesprächspartner düster in die Zukunft Russlands. „Den Krieg könne Russland nicht mehr gewinnen. Ich weiß nicht, wie er gewonnen werden soll. Ich verfolge das, schaue. Ich besitze 18 Webseiten. Ich bin kein Idiot“, so Oligarch Achmedow.

Den Ukrainern zollen beide Anerkennung, wenn auch mitunter versalzen. „Deren PR funktioniert. Die haben sich vorbereitet. Aber unsere, die haben alles vermasselt, alles!“, so Achmedow. Prigoschin als Showmanager kennt den ukrainischen Präsidenten noch aus seiner Zeit als Comedian mit dessen Produktionsfirma. „Die haben gegen ‚Kwartal 95‘ verloren!“ Kwartal 95 ist der Name von Selenskyj Unternehmen, das er nach einem Viertel in seiner Heimatstadt Krywyj Rih benannt hat.

Veröffentlichung könnte bei Echtheit lebensgefährlich werden

Über mögliche Nachfolger Putins sagt Achmedow: „Die werden kommen: die Kadyrows, Prigoschins, die Leibwächter.“ Es werde Anarchie herrschen. Für eine andere Diktatur haben beide jedoch Lob übrig: „Schau dir die Politik von China an. Das ist genial“, so Prigoschin.

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Falls sich die Aufnahme als echt herausstellen sollte, wären die beiden russischen Oligarchen möglicherweise in Lebensgefahr. Denn im Telefonat beleidigen sie eine Menge Männer, die alle Zugang zu Waffen haben und von denen einige für Drahtzieher hinter Mordanschlägen gehalten werden. 

Putins tschetschenischer „Bluthund“ Ramsan Kadyrow beispielsweise soll hinter mehreren Auftragsmorden an russischen Oppositionellen und Journalisten stecken. Auch Putin selber werden mehrere Befehle zu Giftanschlägen zugeschrieben. Erst vergangenen Sonntag soll der russische Popstar Dima Nova auf dem Fluss Wolga ins Eis eingebrochen und ertrunken sein. Zuvor hatte er in einem Song Putin kritisiert.

Und auch Prigoschin weiß, wie es sich anfühlt, gejagt zu werden. 2002 wurde bereits ein Autobombenanschlag auf ihn verübt. Auch deshalb geriet der Musikmanager im Interview mit der Nachrichtenseite Fontanka wohl ins Schwitzen. „Ich stehe immer noch unter Schock.“