Friedrich Merz vermisste wahrhaftige Unterstützung der CSU für Armin Laschet. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

In der Union gärt es nach ihrem Wahl-Debakel gewaltig, ihre Umfragewerte sinken weiter. Friedrich Merz kritisierte Markus Söders CSU wegen mangelnder Unterstützung für Armin Laschet im Wahlkampf. Der Abgeordnete Christian von Stetten, Repräsentant des Mittelstands in der Fraktion, nahm das CDU-Präsidium ins Visier und legte den Mitgliedern des Führungsgremiums den Rücktritt nahe.  

Merz kritisierte mit Blick auf das Verhältnis von CDU und CSU: „Das Jahr 2021 markiert einen Tiefpunkt unserer Zusammenarbeit und unseres Umgangs miteinander.“ In seinem Newsletter schrieb er: „Wir müssen nicht alle zu jeder Zeit von jeder Entscheidung restlos überzeugt sein. Aber so wie in den Wochen vor der Wahl geht man in einer sich immer noch ‚bürgerlich‘ nennenden Union einfach nicht miteinander um. Das war stillos, respektlos und streckenweise rüpelhaft.“

Söder hält sich für den besseren Mann

Söder hatte das schlechte Wahlergebnis auf den Kanzlerkandidaten Laschet und eine schwache Wahlkampfstrategie zurückgeführt. „Es ist einfach so: Am Ende wollten die Deutschen einen anderen Kanzlerkandidaten als den, den CDU und CSU aufgestellt haben.“ Unausgesprochen blieb, dass er sich für den besseren Mann hält.

Christian von Stetten, der eine Kanzlerkandidatur Söders unterstützt hatte, kritisierte die Führung seiner Partei. „Das CDU-Präsidium kann einen Kanzlerkandidaten gegen alle Umfragewerte, gegen die Schwesterpartei, gegen die Bundestagsfraktion und gegen die Parteibasis durchsetzen.“ 

CDU-Chef Laschet will am Montag den Spitzengremien der Partei einen Vorschlag zur personellen Neuaufstellung vorlegen. Er selbst möchte diesen Prozess moderieren. Aus der Jungen Union, von der Mittelstands- und Wirtschaftsunion gibt es den Ruf nach einer Befragung der rund 400.000 CDU-Mitglieder vor der Neuwahl der Führung. 

Der saarländische CDU-Vorsitzende, Ministerpräsident Tobias Hans, sagte mit Blick auf die laufenden Sondierungsgespräche von SPD, Grünen und FDP, die am Montag weiter miteinander sprechen wollen, andere Konstellationen seien zwar denkbar, aber „die Zeichen, sie stehen auf Ampel“. Zu Spekulationen über ein mögliches Jamaika-Bündnis von Union, Grünen und FDP sagte Hans, es wäre „Irrsinn, sich an einem Strohhalm festzuklammern“.