50 Euro sollen Maskenmuffel der BVG zahlen, wenn sie erwischt werden. imago

Vom „Freedom Day“ wird offiziell nicht gerne gesprochen, doch es geht genau darum: Das Ende aller staatlich verordneten Corona-Maßnahmen. Dafür hat sich nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch Kassenärzte-Chef Andreas Gassen ausgesprochen: Sie wollen das Ende der epidemischen Lage von nationaler Tragweite binnen weniger Wochen. Stichtag wäre der 25. November, denn dann läuft die bisher geltende Regelung aus. Spahns Vorstoß sei „letztlich folgerichtig“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der Rheinischen Post (Samstagsausgabe). Er schränkt allerdings ein: „Das bedeutet auch nicht das sofortige Ende aller Maßnahmen.“

„Wir werden aber erleben, dass es regional unterschiedliche Herangehensweisen geben wird, die natürlich auch von regionalen Faktoren wie Impfquote, Infektionszahlen, Altersverteilung und Krankenhausbelegungen abhängig sind.“ Ab einem bestimmten Punkt und mit ausreichender Vorlaufzeit sei es dann möglich, dazu überzugehen, „die notwendigen Schutz- und Abwehrmaßnahmen in die Hände der Bürger zu legen“, sagte Gassen.

Länder fordern bundeseinheitliche Corona-Regeln

Bundesgesundheitsminister Spahn hatte zuletzt erklärt, die derzeit geltende epidemische Notlage von nationaler Tragweite Ende November auslaufen lassen zu wollen. Die Ministerpräsidentenkonferenz der Länder forderte am Freitag aber vom Bund weiterhin bundeseinheitliche Regeln für die Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte davor, die epidemische Lage „ohne Ersatzregelung“ zu beenden. Es müsste sichergestellt werden, dass die 2G- oder 3G-Regeln in Innenräumen weiter praktiziert werden könnten und Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr bestehe, sagte Lauterbach der Passauer Neuen Presse. „Solche Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung müssen rechtssicher möglich bleiben.“

15.145 Corona-Infektionen und 86 Todesfälle binnen 24 Stunden

Brisant: Die Forderungen nach Lockerungen der staatlichen Corona-Maßnahmen fallen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo die Corona-Zahlen bundesweit wieder kräftig ansteigen. In Berlin ist das bereits seit Tagen spürbar: In sieben Bezirken liegt die Inzidenz deutlich über der Marke von 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern. Spitzenreiter sind wie so oft zuvor Mitte (151,5), Neukölln (148,7) sowie Friedrichshain-Kreuzberg (146,6). Dramatisch ist die Lage in den ostdeutschen Bundesländern, vor allem Thüringen: Die mit Abstand höchste Inzidenz in Deutschland weist dort der Kyffhäuserkreis mit einem Wert von sage und schreibe 359,6 auf.

Auch bundesweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen erstmals seit Monaten wieder im dreistelligen Bereich. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Samstagmorgen mitteilte, stieg der Wert auf 100,0. Binnen eines Tages wurden demnach 15.145 Neuinfektionen registriert.

Wir sind wieder auf dem Corona-Stand vom Mai

Die Zahl der Todesfälle in Deutschland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg um 86 Fälle auf 95.077. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen seit Beginn der Pandemie liegt laut RKI bei 4.452.425, die Zahl der Genesenen bei rund 4.200.000.

Der Inzidenzwert, der die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen angibt, steigt seit anderthalb Wochen kontinuierlich an. Alleine von Dienstag bis Freitag erhöhte er sich von 75,1 auf 95,1. Die Schwelle von 100 hatte die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt im Mai überschritten. Am 13. Mai lag die Zahl bei 104, am Tag darauf sank sie auf 97.

Der Inzidenzwert war lange die entscheidende Größe für die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern. Wegen der Fortschritte bei der Impfkampagne spielen inzwischen andere Werte eine größere Rolle – insbesondere die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern.