RKI-Präsident Lothar Wieler Foto: imago images/snapshot

Das Robert Koch-Institut sieht beim Verlauf der Corona-Pandemie „einige positive Tendenzen“, aber keinen Wendepunkt. „Die Fallzahlen steigen nicht mehr so stark an, aber sie haben sich auf einem hohen Niveau eingependelt“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag.

In Deutschland sind nach Angaben des RKI 125.098 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, knapp 3000 sind bisher an der Covid-19-Erkrankung gestorben. Das Institut schätzt, dass bisher 68.100 Menschen genesen sind.

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„Wir können noch nicht beurteilen, ob die Fallzahlen sinken“, sagte Wieler weiter. In Bezug auf eine mögliche Lockerung der Quarantäne-Maßnahmen in Deutschland äußerte er sich zurückhaltend. „Das entscheidet die Politik“.

RKI teilt Einschätzung der Leopoldina nicht

Eine Bewertung bestimmter Lockerungsmaßnahmen wollte er nicht vornehmen, erklärte aber, dass man in Bezug auf die Schulen zu einer anderen Einschätzung komme als die Wissenschaftsakademie Leopoldina. Sie empfiehlt, die Grundschulen zuerst zu öffnen. Beim RKI ist man der Meinung, dass jüngere Schüler nur schwer in der Lage seien, die geforderten Abstandsregelungen einzuhalten.

In der Vergangenheit hat es vom RKI immer geheißen, man könne die Maßnahmen lockern, wenn die sogenannte Reproduktionszahl unter 1 sinkt. Die Reproduktionszahl ist die Zahl von Menschen, die ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Sie lag am Anfang der Pandemie bei 4. Mittlerweile habe sie sich auf 1,2 eingependelt, sagte Wieler am Montag. Er kündigte erneut an, dass das RKI demnächst mit eigenen Antikörperstudien beginnen werden, um die Dunkelziffer jener zu ermitteln, die in Deutschland das Virus bereits hinter sich haben.

Zurückhaltend äußerte er sich auch zur von der Leopoldina geforderten Maskenpflicht in einigen Bereichen des öffentlichen Lebens. Die sogenannten Community-Masken seien ausschließlich ein Zusatz, der Abstand und Einhaltung der Hygieneregeln eventuelle ergänzen, keinesfalls aber ersetzen könne.

Dass eine geringe Anzahl von Viren einen milderen Krankheitsverlauf bedingen könnte, bezeichnete Wieler als "reine Hypothese". Diese Annahme war in der sogenannten Heinsberg-Studie des Virologen Hendrick Streeck als eines der ersten Forschungsergebnisse benannt worden. Wieler erklärte, dass dies für eine Atemwegserkrankung eher ungewöhnlich wäre.