Die tiefroten Stellen zeigen, wo sich besonders viele Fälle konzentrieren. RKI/Screenshot

Noch sind wir mitten im Sommer, doch die für den Herbst vorhergesagte vierte Welle der Corona-Pandemie ist bereits losgerollt. Das Robert Koch-Institut (RKI) kommt zu dieser Einschätzung nach Auswertung der Zahlen: Der Anteil der positiven Proben unter den PCR-Tests in Laboren sei binnen einer Woche bis Mitte August von vier auf sechs Prozent gestiegen, heißt es im jüngsten Wochenbericht des Instituts vom Donnerstagabend. Grundlage ist rund eine halbe Million Tests aus fast 200 Laboren.

Eine eindeutige Sprache spricht auch der aktuelle RKI-Lagebericht: Bereits in 17 Stadt- und Landkreisen beträgt die Corona-Inzidenz über 100. Darunter befindet sich der Berliner Bezirk Neukölln mit 104,9 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage. Der Blick auf die Karte der aktuellen Infektionsherde zeigt allerdings deutlich, dass die Corona-Hotspots sich derzeit in Westdeutschland ballen: Der Stadtkreis Leverkusen führt die Rangliste mit einem Wert von 149,6 an, gefolgt von Wuppertal mit 130,9 und Bielefeld mit 130,5 – diese drei Städte befinden sich allesamt in NRW.

Großstädte Berlin, Hamburg und Köln bleiben Corona-Hotspots

In Corona-Fällen gerechnet, führen die beiden Städte Hamburg (1421) und Köln (1171) die RKI-Liste an. Das allerdings auch nur deshalb, weil die Berliner Bezirke jeweils als Stadtkreise geführt werden. Insgesamt bleibt Berlin als Deutschlands einwohnerstärkste Stadt mit 2556 Fällen Corona-Spitzenreiter. Die Verteilung der Fälle ist jedoch extrem unterschiedlich: Treptow-Köpenick liegt mit einer Inzidenz von 34,9 und 83 Fällen mit deutlichem Abstand hinter den anderen Berliner Bezirken.

Von Infektionen betroffen seien vor allem jüngere Menschen. „Damit zeigt sich nun deutlich der Beginn der vierten Welle, die insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt aufnimmt“, heißt es im jüngsten Bericht. Angesteckt hat sich ein Teil der Betroffenen auch in Urlaubsländern, zum Beispiel auf dem Balkan, in der Türkei oder in Spanien.

Eine Impfung reicht nicht: Hohes Corona-Infektionsrisiko

Das RKI schätzt eine Gefährdung für die Gesundheit der noch nicht oder erst einmal geimpften Bundesbürger insgesamt weiterhin als hoch ein. Für vollständig Geimpfte stufen die Forscher sie als moderat ein.

Bereits seit Anfang Juli komme es hierzulande wieder zu einem Anstieg der Inzidenz vor allem in den Altersgruppen der 10- bis 49-Jährigen, heißt es in der Analyse. In Kitas und Schulen lägen Ausbrüche bis Mitte August jedoch noch auf einem niedrigen Niveau. In einigen Bundesländern sind aber auch noch Ferien. Ferner sei mit Nachmeldungen zu rechnen.

Ein ähnlicher Anstieg der Infektionen in der jüngeren Bevölkerung sei auch schon im Sommer 2020 zu beobachten gewesen, heißt es im Bericht. Allerdings erst fünf Wochen später, also Ende September oder Anfang Oktober. In diesem Sommer dominiert bisher die ansteckendere Delta-Variante – inzwischen zu 99 Prozent.

Anzahl der Covid-Patienten in Krankenhäusern nimmt wieder zu

Im Sommer 2020 gab es noch keinen Impfschutz. Am Montag hat die Ständige Impfkommission auch grünes Licht für Covid-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren gegeben. Rechtlich war das bereits seit Ende Mai möglich. Die Nachfrage steigt nach Angaben der Kinder- und Jugendärzte im Moment sprunghaft an.

Insgesamt haben derzeit rund 64 Prozent der Bundesbürger mindestens eine Impfung gegen Covid-19 bekommen. Mehr als 58 Prozent wurden bereits vollständig gegen das SARS-CoV-2-Virus immunisiert. Wünschenswert für ein Ausbremsen der Pandemie sind Impfquoten von 85 Prozent und mehr. Auch das Einhalten der Corona-Regeln wie Masketragen und Abstandhalten sowie das Testen bleiben nach RKI-Einschätzung wichtig.

Der neue Anstieg der Inzidenzen hat Folgen. Der zuletzt allgemein zu beobachtende Trend einer sinkenden Anzahl von Covid-Patienten in Kliniken setzt sich zurzeit nicht fort, heißt es im RKI-Bericht. Die Patientenzahlen befänden sich noch auf niedrigem Niveau, stiegen nun aber sichtbar an. Auch hier sei mit Nachübermittlungen zur rechnen, weil Covid-Patienten häufig erst ein bis zwei Wochen nach der Diagnose in ein Krankenhaus kämen – zumeist mit schweren Atemwegsinfekten.

Der Wochenbericht des RKI erscheint zeitversetzt. Die meisten Ergebnisse in der jüngsten Analyse beziehen sich auf Daten aus der ersten Augustwoche.