2021 gab es bei den Renten eine Nullrunde, 2022 einen deutlichen Zuschlag dpa

Den rund 21 Millionen Rentnern in Deutschland steht zum 1. Juli eine unerwartet hohe Rentenerhöhung ins Haus: Um 5,35 Prozent in Westdeutschland und um 6,12 Prozent in Ostdeutschland. Das teilte das Bundesarbeitsministerium am Dienstag in Berlin mit. Somit ist für dieses Jahr die stärkste Rentenanpassung seit Jahrzehnten vorhergesagt. Ende November hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) noch 4,4 Prozent genannt. Der Grund ist die positive Lohnentwicklung in Deutschland.

Bereits berücksichtigt ist die von der Koalition angekündigte, aber noch nicht in Gesetzesform gebrachte Wiedereinsetzung des sogenannten „Nachholfaktors“. Diese  Änderung der Berechnung dämpft die Rentenerhöhung; sie würde sonst noch kräftiger ausfallen. Hintergrund ist, dass es 2021 trotz eines Einbruchs der Einnahmen wegen der Corona-Pandemie keine Rentenkürzung gab, sondern eine Rentengarantie noch für eine Nullrunde gesorgt hatte.

Auch in den Jahren vor 2021 stiegen Ost-Renten stärker als West-Renten

Auch vor der Nullrunde im vergangenen Jahr waren die Renten gestiegen. 2020 hatte es ein Rentenplus von 3,45 Prozent im Westen und 4,20 Prozent im Osten gegeben. 2019 hatten die Bezüge in Westdeutschland um 3,18 Prozent zugelegt, im Osten um 3,91 Prozent. 2018 waren es 3,22 Prozent (West) und um 3,37 Prozent (Ost).

Die nun angekündigte Erhöhung ergibt sich aus Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung, wie das Ministerium  mitteilte. Damit ergebe sich eine Anhebung des bei der Berechnung zentralen Rentenwerts im Westen von gegenwärtig 34,19 auf 36,02 Euro und des Rentenwerts (Ost) von gegenwärtig 33,47 auf 35,52 Euro.

Der Rentenwert gibt konkret in Euro an, wie viel ein Entgeltpunkt in der Rentenversicherung wert ist; ein solcher Punkt - berechnet mit einer komplizierten Formel - ist maßgeblich für die Höhe der Rente.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte, dass die Erhöhung durch den Nachholfaktor geringer ausfallen soll. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte: „Weitere Preiserhöhungen drohen, insbesondere bei den Energiekosten.“ Was die Bundesregierung in den komplexen Formeln genau verrechnet habe, sei dem DGB noch nicht bekannt. Die Gewerkschaften würden aber „jeden Angriff abwehren, der darauf abzielt, die Renten weiter von den Löhnen abzukoppeln“.

Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) sagte, die Erhöhung gerade auch der ostdeutschen Renten schmelze unter der aktuellen Inflationsrate in Höhe von 5,1 Prozent wie Butter in der Sonne dahin. Die Bundesregierung müsse die Bürger bei den Lebenshaltungskosten entlasten.