Der Politiker Jean Castex (55) ist neuer Premier in Frankreich. Er wurde von Präsident Macron ernannt, nachdem die alte Regierung zurückgetreten war.  AFP/Gonzalo Fuentes

In Frankreich geht es Schlag auf Schlag: Erst trat am Freitag die komplette Regierung unter Premier Édouard Philippe zurück, dann ernannte Präsident Emmauel Macron binnen Stunden den 55 Jahre alten Jean Castex zum Nachfolger. Der neue Premier war bisher dafür zuständig, die Corona-Lockerungen zu koordinieren. Präsident Macron hatte den Austausch der Regierungsmannschaft betrieben, weil er seine Politik neu ausrichten will. 

Das Aus für den bisherigen Premier und seine Minister kam nicht ganz überraschend. Das Lager der Mitte-Regierung war nach den Kommunalwahlen Ende Juni unter Druck geraten, weil es sich in den großen Städten nicht mehr durchsetzen konnte. Stattdessen gab es eine „grüne Welle“. Die Grünen eroberten etwa Lyon, Straßburg und Bordeaux. Macron musste handeln und wirbt nun selbst mit dem Slogan „Ökologischer Wiederaufbau“.

Der Präsident, sein neuer Premier Castex und die neuen Minister müssen nach der Corona-Krise die französische Wirtschaft wieder in Gang bringen. Der Herbst dieses Jahres werde schwierig, heißt es aus dem Élysée-Palast. Dann werden bis zu 900.000 junge Menschen auf den Arbeitsmarkt kommen - und womöglich keine Jobs finden. 

Der neue Premier Jean Castex, ein Vertrauter des früheren konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy, war bisher Bürgermeister der Stadt Prades in Südwestfrankreich. Er ist ein hochrangiger Politik-Funktionär, kommt von den bürgerlichen Rechten und ist in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt. Die Presse gab ihm den Spitznamen „Monsieur déconfinement“. Das Wort „déconfinement“ steht für die Lockerungen in der Corona-Krise. (mit dpa)