Kinder auf dem Weg in den Hort: Die Ganztagsbetreuung wird bis 2030 ein Recht für alle Grundschüler.
Kinder auf dem Weg in den Hort: Die Ganztagsbetreuung wird bis 2030 ein Recht für alle Grundschüler. dpa/Peter Kneffel

Bis 2030 soll jedes Kind einen Anspruch haben, in der Grundschule ganztags betreut zu werden. Ein schöner Plan, zu dessen Umsetzung aber sehr viele Erzieherinnen und Sozialpädagogen fehlen. Das zeigt eine Studie der  Bertelsmann Stiftung.

Insgesamt könnte es eine Lücke von mehr als 100.000 pädagogischen Fachkräften geben, sagt Studienautorin Anette Stein.  Es gebe schlicht zu wenige Menschen, die die Berufe  ergreifen.

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Bund und Länder hatten 2021 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule beschlossen. Vom Schuljahr 2026/2027 an greift die Regelung bei Kindern der 1. Klasse, ab 2029/2030 bei allen Klassen.

Im Osten gibt es mehr Ganztagsangebote, aber einen schlechteren Personalschlüssel

Die Ausgangslagen in den Bundesländern unterscheiden sich stark: Im Osten nutzen bereits heute im Schnitt 83 Prozent der Grundschulkinder ein Ganztagsangebot. Dazu kommen 3,5 Prozent, die ein „Übermittagsangebot“ bis 14.30 Uhr besuchen. Im Westen sind es dagegen nur 47 Prozent im Ganztags-und 18 Prozent im Übermittagsangebot.

Dafür hinkt die Personalausstattung im Osten hinterher: In Horten etwa muss eine Vollzeit-Fachkraft dort rechnerisch mehr als doppelt so viele Kinder betreuen wie eine Kollegin oder Kollege im Westen.

Nur drei Bundesländer werden genug Personal haben

Nur Berlin, Hamburg und Thüringen dürften laut der Prognose genügend Personal haben, um jedem Grundschulkind einen Ganztagsplatz anzubieten.

Alle anderen ostdeutschen Bundesländer könnten zwar bis 2030 jedem Kind ein Ganztagsangebot machen. Würde aber der Betreuungsschlüssel an Grundschulen und Horten auf West-Niveau verbessert, wären rund 26 000 zusätzliche Fachkräfte nötig.

Die westdeutschen Bundesländer müssten bis 2030 aber mehr als eine Million zusätzliche Plätze und rund 76.000 Fachkräfte stemmen. Anette Stein fordert daher größere Ausbildungskapazitäten und Anreize für die benötigten Berufe.