Die „Scheherazade“ ist rund 600 Millionen Euro wert. imago/Pixsell

In einem Werftbecken in der toskanischen Küstenstadt Carrara liegt die „Scheherazade“ vor Anker – das derzeit wohl berüchtigtste Schiff in ganz Italien. Es wird vermutet, dass die 140 Meter lange Jacht keinem Geringeren als Russlands Präsident Wladimir Putin gehören könnte. Die rund 700 Millionen Dollar (rund 600 Millionen Euro) teure Jacht, bugwärts dem Mittelmeer zugewandt, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen der italienischen Finanzpolizei.

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Seit dem Einmarsch Moskaus in die Ukraine im vergangenen Monat sind in Europa bereits mehrere Jachten russischer Oligarchen beschlagnahmt worden. Sollte dieses Schicksal auch die „Scheherazade“ ereilen, wäre sie der spektakulärste Fall – zumindest, falls als Besitzer tatsächlich der russische Präsident nachgewiesen werden kann.

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AFP/Federico Scoppa
Die Mega-Jacht liegt zu Wartungszwecken in einer Werft in Carrara (Italien).

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Das Schiff liegt seit einigen Monaten zu Wartungszwecken in einer Werft der Italian Sea Group in Marina di Carrara – unweit der berühmten Marmorsteinbrüche von Carrara – im Westen der Toskana. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete am Mittwoch keine Anzeichen von Aktivitäten an Bord, nur einige Arbeiter waren in der Nähe der Jacht zu sehen.

Rätselraten um den Besitzer der Luxus-Jacht

Wie AFP von einer der Finanzpolizei nahestehenden Quelle erfuhr, dürften die Ermittlungen binnen weniger Tage abgeschlossen sein. „Wir befinden uns in einer Phase, in der wir tiefer in die Materie eintauchen“, hieß es. „Es ist nicht immer einfach, die Eigentumsverhältnisse zuzuordnen.“

Eines dürfte klar sein: Wer so eine Jacht besitzt, pflegt einen extravaganten Lebensstil. Das von der deutschen Firma Lurssen im Jahr 2020 gebaute Schiff verfügt laut der Website SuperYachtFan, die Informationen über Jachten und ihre Besitzer recherchiert, über zwei Hubschrauberlandeplätze, einen Swimmingpool und ein Kino.

Daneben ist an Bord alles vom Feinsten, wie ein Arbeiter, der beim Bau half, der britischen Zeitung Sun berichtete: „Jede Oberfläche ist aus Marmor oder Gold. Es gibt unzählige Schwimmbäder, ein Spa, eine Sauna, ein Theater, Ballsäle, ein Fitnessstudio, zwei Hubschrauberlandeplätze. Es ist wie eine Mini-Stadt.“ Sogar eine Krankenstation sei auf der Jacht eingerichtet.

Russische Besatzung der Jacht wurde plötzlich ausgetauscht

Medienberichten zufolge gehört die „Scheherazade“, die unter der Flagge der Cayman-Inseln segelt, einem auf den Marshallinseln registrierten Unternehmen. Mitglieder der Anti-Korruptions-Stiftung des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny veröffentlichten am Montag ein Video auf YouTube, in dem sie die Jacht dem russischen Präsidenten Putin zuschreiben. Der Kapitän sei Brite, die übrige Besatzung russisch, hieß es in dem Video.

Die Rechercheure beriefen sich auf eine ihnen vorliegende Liste mit Namen von Besatzungsmitgliedern. Mehrere von ihnen sollen Mitarbeiter des staatlichen russischen Schutzdienstes sein, der für Putins Sicherheit zuständig ist.

Am Mittwoch berichtetete Gewerkschafter Paolo Gozzani von der Gewerkschaft CGIL, der auch Werftarbeiter angehören, dass sich die Besatzung der „Scheherazade“ in den vergangenen Tagen plötzlich geändert habe. „Die Besatzung bestand ausschließlich aus russischem Personal“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. „Und dann wurde plötzlich das gesamte Personal durch eine britische Besatzung ersetzt.“ Die Gründe dafür seien unklar.

Werfbetreiber Italian Sea Group erklärte unterdessen, die Jacht sei „nicht dem Eigentum des russischen Präsidenten Wladimir Putin zuzuordnen“. Diese Einschätzung basiere auf „den in ihrem Besitz befindlichen Unterlagen und den Ergebnissen der von den zuständigen Behörden durchgeführten Kontrollen“.

Kapitän beteuert: Das ist nicht Putins Jacht

In einem Interview mit der New York Times sagte auch der britische Kapitän der „Scheherazade“ Anfang März, Putin sei nicht Eigentümer des Schiffes – der russische Präsident habe nie einen Fuß an Bord gesetzt. Der Kapitän weigerte sich, den Namen des Eigners zu nennen, erklärte jedoch, dass es sich um niemanden handele, gegen den derzeit Sanktionen verhängt seien.

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine haben die italienischen Behörden nach Regierungsangaben Vermögenswerte russischer Oligarchen im Wert von mehr als 800 Millionen Euro beschlagnahmt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das bei russischen Touristen beliebte Land dazu aufgerufen, alle Jachten russischer Oligarchen zu beschlagnahmen, „von der Scheherazade bis hin zur kleinsten“.