Ende November hatte „Querdenken“ deutsch-polnische Demos organisiert. Foto: imago images/JeanMW

Unter den Anhängern der „Querdenker“-Bewegung sind besonders viele Wähler der AfD, der Grünen und der Linkspartei. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Soziologen Oliver Nachtwey von der Universität Basel, über die die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

21 Prozent wählten bei Bundestagswahl die Grünen

Die meisten der Befragten hatten laut der Untersuchung bei der letzten Bundestagswahl die Grünen gewählt (21 Prozent). 17 Prozent stimmten für die Linke und 14 Prozent für die AfD. Die Corona-Krise macht sich allerdings auch bei der politischen Präferenz bemerkbar. „Bei der nächsten Bundestagswahl wollen nun 30 Prozent der AfD ihre Stimme geben“, so Nachtwey.

Die Basler Forscher hatten für ihre Studie 1150 Fragebögen ausgewertet, die sie an Mitglieder von Telegram-Gruppen der Querdenker versandt hatten. Querdenker sind demnach im Schnitt 47 Jahre alt und eine recht akademische Bewegung. Denn zu grob einem Drittel haben sie Abitur (31 Prozent) und einen Studienabschluss (34 Prozent), so das Ergebnis der nicht repräsentativen Untersuchung. Der Anteil Selbstständiger sei deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung, so die Forscher weiter.

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Charakteristisch für die neue Bewegung, so Oliver Nachtwey, sei die Entfremdung von den Institutionen des politischen Systems, den etablierten Medien und den alten Volksparteien. „Es ist eine Bewegung, die mehr von links kommt, aber stärker nach rechts geht, sie ist jedoch enorm widersprüchlich.“ 

Typisch für die Bewegung seien auch antisemitische Vorurteile, sie seien Bestandteil einiger Verschwörungstheorien. Autoritäres Denken, Fremdenfeindlichkeit oder die Verharmlosung des Nationalsozialismus sei unter den Anhängern der Bewegung allerdings weniger verbreitet, sagte Nachtwey. Anders als in der öffentlichen Diskussion teilweise behauptet, spielten kirchliche oder gar pietistische Haltungen eine untergeordnete Rolle, sagte der Soziologe.

Ein Drittel der Demo-Teilnehmer rechtsextrem 

Seit Monaten gehen die Querdenker gegen die Maßnahmen von Bund und Ländern wegen der Corona-Pandemie bundesweit auf die Straße. Nach Einschätzung von Georg Maier (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, gehört bei den Protesten im Schnitt etwa ein Drittel der Teilnehmer zur rechtsextremen Szene.

„Das merkt man an Symbolen und Fahnen, die dort auftauchen“, sagte der Thüringer Innenminister der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.