Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will schnell eine Impfpflicht einführen. dpa/Hannibal Hanschke

Die Corona-Infektionszahlen schnellen wegen der hoch infektiösen Omikron-Variante in die Höhe, bundesweit gibt es aktuell rund 60.000 Neuinfektionen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will mit härteren Corona-Regeln gegensteuern, wie er gestern bei einer Videoschalte mit den Gesundheitsministern der Bundesländer klar machte.

Verschärfungen seien leider notwendig, um der zu erwartenden schweren Welle zu begegnen, sagte der SPD-Politiker zuvor dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Details nannte er nicht, betonte aber, insbesondere für Ungeimpfte gebe es keinen Grund zur Entwarnung. Man könne ihnen nicht in Aussicht stellen, dass für sie die Kontaktbeschränkungen kurz- oder mittelfristig aufgehoben würden.

Quarantänezeit soll verkürzt werden

Am Freitag wollen Kanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerpräsidenten der Länder den weiteren Kurs in der Pandemie festlegen und neue Beschlüsse fassen. Im Gespräch ist auch eine Verkürzung der Quarantäne, wofür Lauterbach wirbt. „Studien zeigen, dass die Generationszeit – also auch die Phase, in der sich das Virus im Körper ausbreitet und die Phase, in der ein Mensch ansteckend ist – bei Omikron viel kürzer ist“, erläuterte er. „Wir können also bis zu einem gewissen Grad die Quarantänezeit verkürzen, ohne ins Risiko zu gehen.“

Und das steht dazu in der Beschlussvorlage:

– Ungeimpfte und Genesene können eine Corona-Quarantäne nur beenden, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen.

– Geimpfte können ihre Quarantäne nach sieben Tagen beenden, wenn sie einen zertifizierten Antigen-Test vorlegen.

– Wer in einer systemrelevanten Berufsgruppe arbeitet und dies von seinem Arbeitgeber bescheinigt bekommt, kann die Quarantäne nach sieben Tage mit einem zertifizierten Antigen-Test beenden.

– Geimpfte Kontaktpersonen eines Corona-Infizierten, die keine Symptome aufweisen, können die Quarantäne nach sieben Tagen beenden.

– Ungeimpfte können dies ebenfalls, wenn sie einen negativen PCR-Test vorlegen.

– Kontaktpersonen eines Corona-Infizierten, die geboostert oder deren „Zweitimpfung“ weniger als drei Monate her ist, müssen nicht in Quarantäne.

Die Verkürzung sei auch notwendig, da „bestimmte Bereiche der kritischen Infrastruktur“ durch zunehmende Ansteckungen von Personalmangel betroffen sein könnten – insbesondere Krankenhäuser, Altenpflege sowie Polizei, Feuerwehr und die Versorgung mit Wasser und Elektrizität. Für diese Bereiche seien neue Quarantäne- und Isolationsregeln nötig. Auch die Bereiche Schule und Reisen müssten bedacht werden, betonte Lauterbach.

Lehrerverband mahnt bei Quarantäne-Verkürzung zur Vorsicht

Der Deutsche Lehrerverband mahnte im Fall der Schulen zur Vorsicht. „Eine unangemessen große Verkürzung der Quarantänezeiten könnte sich als Bumerang auch für den Schulbetrieb erweisen, wenn dadurch die Gefahr der Ansteckung steigt und nicht fällt“, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, dem RND.

Außerdem arbeitet der Gesundheitsminister an einem Vorschlag zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht für über 18-Jährige. Dieser „soll unbürokratisch sein und bevorzugt ohne Impfregister auskommen. Es soll auch keine neuen Meldestrukturen geben“, sagte Lauterbach. Und schnell muss es gehen. „Wir können nicht darauf warten, dass eine Impfpflicht überflüssig wird, weil wir eine sehr hohe Durchseuchung der Bevölkerung haben.“ Eine Omikron-Infektion als „schmutzige Impfung“ sei keine Alternative.