Ein Demonstrant in Russland fordert mit seinem Plakat ein Ende des Krieges und wird festgenommen. Imago/SNA

Es ist nicht leicht, seinen Kopf oben zu halten, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, wenn ein Krieg tobt. Nicht einmal, wenn man weit weg, im sicheren Berlin, außerhalb von Moskaus Einflussspähre sitzt. Der russische Präsident Wladimir Putin scheint – bis jetzt –mit seinem Plan durchzukommen. Die Angriffe der russischen Arme rücken immer näher an Kiew heran. Die Sanktionen des Westens scheinen zu verpuffen und es damit nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis in Kiew die aktuelle Regierung ab – und ein Strohmann Putins eingesetzt werden kann. Wo soll man da Hoffnung hernehmen? Genau dort, wo die Verzweiflung ihren Ausgang nahm: in Moskau.

In Russland demonstrieren Menschen gegen Putins Krieg

Denn dort zeigt sich sehr deutlich: Längst nicht alle Menschen in Russland stehen hinter diesem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg und längst nicht alle Menschen stehen hinter Putin. In ganz Russland gab es seit dem Ausbruch des Krieges Demonstrationen gegen den Krieg und gegen den Präsidenten. Und das in einem Land, in dem die Demonstrationsfreiheit immer wieder mit Füßen getreten oder mit Schlagstöcken der Polizei niedergeknüppelt wird.

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Auch vor einer älteren Frau machen die Polizisten beim Durchgreifen am Puschkin-Platz nicht Halt. Imago/SNA

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So auch dieses Mal. In mindestens 44 russischen Städten gingen Menschen auf die Straße, um gegen den russischen Angriffskrieg zu protestieren. Groß waren diese Gruppen bislang nicht. 2000 Menschen kamen in Moskau zusammen, rund 1000 in St. Petersburg. Warum es nicht mehr waren: Die russischen Behörden hatten Anti-Kriegs-Demonstrationen untersagt und hohe Strafen angedroht.

Putins Krieg: Nicht alle Russen stehen hinter dem Machthaber

Dass dennoch so viele Menschen zusammen kamen, ist ein Zeichen der Hoffnung, weil es zeigt, wie vielschichtig, wie divers Russland ist. Weil es zeigt, dass trotz (laut internationalen Beobachtern umstrittener) Wahlsiege nicht das ganze Land hinter Wladimir Putin, seinem totalitären Regierungsstil, seiner rassistischen, homofeindlichen und imperialistischen Agenda und seinem Angriffskrieg in der Ukraine steht. Nein! Einige sind sogar bereit, ihr Leben dafür zu riskieren, dass das alles endet.

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Eine junge Frau wird in St. Petersburg von Polizisten abgeführt, weil sie gegen Putins Krieg in der Ukraine demonstrierte. Imago/Itar-Tass

Die Demonstranten in Russland setzen ihr Lebens aufs Spiel

Denn nichts anderes als ihr eigenes Leben, ihre eigene Sicherheit setzen die Demonstranten in Moskau, St. Petersburg und anderen russischen Städten aufs Spiel, wenn sie gegen Machthaber Putin und seinen Krieg aufbegehren. Laut der Menschenrechtsorganisation OVD-Info wurden bei den Demonstrationen am Freitag landesweit mehr als 1700 Menschen vorübergehend festgenommen.

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Trotz der drakonischen Strafen und der seit Jahren andauernden Zerschlagung der oppositionellen Gruppen, sind für das Wochenende weitere Demonstrationen in den Russlands großen Städten geplant. Wie groß diese ausfallen werden, ist noch unklar. Möglich, dass bereits Menschen durch die Selbstlosigkeit der Demonstranten von Freitag ermutigt wurden. Sicher ist: Jedes Bild, das von ihnen um die Welt geht, macht Hoffnung.