Wladimir Putin will der Welt vorführen, dass ihn die wirtschaftlichen Strafmaßnahmen nicht kümmern.
Wladimir Putin will der Welt vorführen, dass ihn die wirtschaftlichen Strafmaßnahmen nicht kümmern. imago/Itar-Tass

Wenn es am Handgelenk blitzt und blinkt, fangen auch die Augen von Kremlchef Wladimir Putin an zu leuchten. Dass der russische Präsident Uhren mag, ist bekannt – vor allem Schweizer Fabrikate wie Blancpain oder IWC hatten es ihm in der Vergangenheit angetan.

Doch nun will er der Welt zeigen, dass die Sanktionen seinem Land nicht schaden und demonstrativ die heimische Wirtschaft fördern. Denn statt einer Schweizer Luxus-Marke trägt Putin seit kurzem eine edle Armbanduhr aus russischer Herstellung am Handgelenk.

Sie stammt von der Marke Imperial Peterhof Factory des russischen Herstellers Raketa, wie die Onlinezeitung gazeta.ru berichtet und kostet 1,5 Millionen Rubel (rund 24.000 Euro). Und sie ist exklusiv: Der schwarze Onyx, der für die Einfassung der Präsidenten-Uhr verwendet wurde, soll demnach nicht von anderen Kunden bestellt werden können.

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Nach Angaben der Tageszeitung Kommersant, die zuerst über Putins neue Uhr berichtete, trug der Kremlchef bislang oft Modelle der Schweizer Hersteller Blancpain oder IWC. „Den Unterschied zwischen den Schweizer Modellen und der neuen Armbanduhr nicht zu bemerken, ist, als würde man den ehemaligen Mercedes-Benz Pullman Guard des Präsidenten mit seiner jetzigen Aurus-Senat-Limousine verwechseln“, schreibt ein Kommentator in der Tageszeitung Kommersant über den Uhrentausch.

Zweifel im Westen an Wirksamkeit der Sanktionen

Doch ob die Kreml-Berichte über die robuste russische Wirtschaft tatsächlich stimmen, ist fraglich. Trotz der Sanktionen und dem Rückzug großer westlicher Konzerne wie McDonald’s oder H&M soll das Land bislang noch einigermaßen glimpflich davongekommen sein, heißt es aus Moskau.

Der Rubel ist nach einem kurzen dramatischen Einbruch jetzt stärker als vor dem Krieg. Handelspartner wie China und Indien hätten die Verluste in Europa fast wettgemacht, so die Berichte. Die westlichen Sanktionen verfehlten nicht nur ihr Ziel, sondern schadeten vor allem Deutschland und der EU mehr als Russland.

Russische Statistiken geschönt

Doch dieser Schein trügt, wie Forscher der Universität Yale jetzt analysierten. In ihrer Studie mit dem Titel „Rückzug der Unternehmen und Sanktionen lähmen die russische Wirtschaft“ schauten sie sich genau an, wie es tatsächlich um den Wohlstand Russlands bestellt ist. Denn seit der Invasion veröffentliche der Kreml Wirtschaftsdaten „zunehmend selektiv, wobei ungünstige Daten weggelassen werden“, heißt es in der Studie. „Diese von Putin ausgewählten Statistiken führen dann zu Prognosen, die „unrealistisch günstig für den Kreml sind“.

Das Yale-Expertenteam um den Wirtschaftswissenschaftler Jeffrey Sonnenfeld hat dagegen eigene Daten gesammelt, etwa über Mitteilungen internationaler Handelspartner Moskaus und aus dem Schiffsverkehr. Das vernichtende Ergebnis: Der Rückzug westlicher Firmen und die Sanktionen lähmen die russische Wirtschaft „in katastrophaler Weise“.

Russland büßte Macht als Rohstoff-Exporteur ein

Besonders als großer Rohstoffexporteur hat Russland an Macht und Bedeutung verloren. Denn aus rein wirtschaftlicher Sicht braucht Putin die europäischen Märkte weit mehr als die Welt die russischen Energielieferungen. „Im vergangenen Jahr importierte Europa 46 Prozent seiner Energie aus Russland, aber Russland exportierte 83 Prozent seiner Energie nach Europa“, heißt es in der Studie.

Dies können auch verstärkte Handelsbeziehungen mit Ländern, die die Sanktionen nicht mittragen, wie etwa China nicht ausgleichen. Und immer mehr Staaten wenden sich von russischem Gas und Öl ab, möchten unabhängiger werden und suchen nach Alternativen.

Desaströse Lage bei Importen

Aber auch bei den Importen sieht es schlecht aus. Handelspartner zögern, etliche wichtige Produkte und Bauteile fehlen, was zu „weitverbreiteten Versorgungsengpässen in der heimischen Wirtschaft führt. Weiter heißt es: Die russische Inlandsproduktion sei „völlig zum Erliegen gekommen, da es keine Kapazitäten gibt, um verlorene Unternehmen, Produkte und Talente zu ersetzen“. Das wiederum führt dazu, dass die Preise im Land steigen, was schließlich die Verbraucher verunsichert.

Russland schlittert in die Schulden

Um die missliche Lage zu verbessern, greift Putin laut den Yale-Experten zu „unhaltbaren“ monetären Investitionen. Doch das führte dazu, dass der russische Staatshaushalt zum ersten Mal seit langem ins Defizit geraten ist. „Die Finanzen des Kremls befinden sich in einer viel, viel schlimmeren Notlage als gemeinhin angenommen“, heißt es in der Studie.

Aber gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma? Den Experten zufolge nicht. Zumindest „solange die verbündeten Länder geschlossen den Sanktionsdruck gegen Russland aufrechterhalten und verstärken.“