Soldaten der Nationalgarde sind schon am Sonnabend in St. Petersburg im Einsatz. Foto: AP/Ivan Petrov

Die Behörden in Russland bereiten sich auf neue Proteste von Unterstützern des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny vor. Im Zentrum der Hauptstadt Moskau werden an diesem Sonntag sieben Stationen der U-Bahn geschlossen, wie das Unternehmen am Sonnabend mitteilte. Dies geschehe auf Ersuchen der Polizei. Außerdem sollen mehrere Straßen in der Nähe des Kremls gesperrt werden.

Behörden warnen vor neuen Festnahmen

Die Behörden ordneten zudem die Schließung von Geschäften, Restaurants und Cafés in der Nähe der geplanten Proteste an, darunter ist ein riesiges Kinderkaufhaus. In sozialen Netzwerken wurde das Vorgehen vielfach als ein „hysterischer Schritt“ bezeichnet. Die Behörden wollen damit offenbar verhindern, dass die Demonstrationen wie am vergangenen Wochenende einen großen Zulauf haben.

Oleg Nawalny – der Bruder des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny steht in Moskau unter Hausarrest. Foto: AFP/Tverskoy District Court of Moscow

Vor einer Woche waren landesweit Hunderttausende Menschen für eine Freilassung Nawalnys und gegen Präsident Wladimir Putin auf die Straße gegangen. An diesem Sonntag sind nach bisherigen Angaben von Nawalnys Team Aktionen in rund 80 Städten geplant.

Druck auf Nawalnys Unterstützer wächst

Die Behörden warnten abermals vor einer Teilnahme an den nicht genehmigten Protesten und drohten mit Konsequenzen. Vor einer Woche gab es Menschenrechtlern zufolge rund 4000 Festnahmen.

Die US-Botschaft in Moskau warnte ihre Staatsbürger vor neuen Festnahmen am Sonntag. Sie listete am Sonnabend erneut genaue Treffpunkte und Uhrzeiten von Demonstrationen auf. Das hatte zuletzt beim Kreml und im russischen Außenministerium für große Empörung gesorgt.

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Die Behörden haben in den vergangenen Tagen den Druck auf Nawalnys Team massiv erhöht. Erst am Freitag wurden der Bruder des Putin-Gegners, Oleg Nawalny, und mehrere seiner Unterstützer unter Hausarrest gestellt. Zudem wird nun gegen einen Sponsor von Nawalnys Anti-Korruptions-Fonds FBK ermittelt. Seine Organisation kämpft gegen Korruption im russischen Machtapparat. Deshalb gab es immer wieder Razzien in Büros.

Nawalny war vor mehr als zehn Tagen kurz nach seiner Rückkehr aus Deutschland in einem Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. Er soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholte. Ihm drohen viele Jahre Gefängnis und mehrere Prozesse.