Polizisten nehmen Protestierende bei einer Demonstration gegen die Anordnung der Teilmobilisierung der Streitkräfte in Moskau fest. Die Staatsanwaltschaft drohte den Menschen im Vorfeld mit bis zu 15 Jahren Haft.
Polizisten nehmen Protestierende bei einer Demonstration gegen die Anordnung der Teilmobilisierung der Streitkräfte in Moskau fest. Die Staatsanwaltschaft drohte den Menschen im Vorfeld mit bis zu 15 Jahren Haft. dpa/Alexander Zemlianichenko

Ermutigendes Zeichen in Russland: Gegen die von Präsident Wladimir Putin verkündete Teilmobilmachung sind am Mittwochabend tausende Menschen trotz Verboten und massiven Drohungen auf die Straßen gegangen. Von den Protesten kursieren zahlreiche Videos in den sozialen Netzwerken. 

Im Vorfeld hatte die Staatsanwaltschaft Teilnehmern mit bis zu 15 Jahren Haft gedroht, dennoch ließen sich Tausende nicht davon einschüchtern und gingen auf die Straße.

In mindestens 38 Städten kam es zu spontanen Protesten. Dabei habe die Polizei landesweit mehr als 1000 Menschen festgenommen, erklärte die Organisation OVD-Info, die Festnahmen in Russland dokumentiert. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten dutzende Festnahmen in Moskau und in St. Petersburg. Die Demonstranten riefen „Nein zum Krieg“ und „Nein zur Mobilmachung“.

Die Proteste werden als Zeichen gewertet, dass die Unterstützung der Bevölkerung für das Vorgehen der russischen Armee in der Ukraine bröckelt. Trotz massiver Zensur erfahren vor allem junge Menschen aus sozialen Medien, was die Armee Russlands dort anrichtet.

Ukrainischer Oberbefehlshaber: Wir werden alle Angreifer vernichten

Unbeeindruckt von den russischen Drohungen zeigte sich die ukrainische Armee: Der ukrainische Oberbefehlshaber Waleryj Saluschnyj gibt sich trotz der von Russland verkündeten Mobilmachung von bis zu 300.000 Reservisten siegessicher. Die Ankündigung aus Moskau belege nur die Stärke der Ukraine, schrieb er am Mittwoch auf Facebook. „Hunderttausende Männer und Frauen schützen ihr Heimatland, ihre Häuser, ihre Kinder und die Zukunft der Ukraine.“ Daran ändere sich durch das Moskauer Vorgehen nichts. „Wir werden jeden vernichten, der mit Waffen in unser Land kommt – ob freiwillig oder durch Mobilisierung“, drohte Saluschnyj.

Nach Angaben des Generalstabs in Kiew wehrte die Armee am Mittwoch fünf russische Angriffe ab, darunter bei Kupjansk im Gebiet Charkiw. Über den Eisenbahnknotenpunkt lief bislang der Nachschub für die russischen Truppen im Donbass. Die Ukrainer brachten bei ihrer Gegenoffensive Anfang September Kupjansk zum großen Teil unter ihre Kontrolle. Der Generalstab berichtete von russischem Panzer- und Artilleriebeschuss an vielen Abschnitten der Front. In mehr als 30 Ortschaften sei zivile Infrastruktur beschossen worden. Die Militärangaben waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar.

In einem Dorf des zentralukrainischen Gebiets Dnipropetrowsk schlugen nach Angaben der örtlichen Behörden russische Raketen ein. Dabei seien nach ersten Informationen ein Mensch getötet und zwei verletzt worden, schrieb Gouverneur Valentin Resnitschenko auf Telegram.