Ali Chamenei ist der religiöse und de facto auch politische Führer des Iran.
Ali Chamenei ist der religiöse und de facto auch politische Führer des Iran. dpa

Es war der Funke, der das Pulverfass in den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten des Irans zum Explodieren gebracht hat: Als die junge Kurdin Jina Mahsa Amini Mitte September von der sogenannten iranischen Sittenpolizei misshandelt und getötet wurde, machte sich im Land Widerstand breit. In allen Provinzen des Landes gingen Menschen auf die Straße und setzten damit ihr Leben aufs Spiel. Bei den Protesten, die seit mehr als zwei Monaten trotz blutiger Niederschlagungen immer wieder stattfinden, fordern die Menschen längst keine Reformen mehr, sondern nicht weniger als den Sturz des Regimes. Zu ihnen gehört auch Farideh Moradchani, die Nichte von Ajatollah Ali Chamenei.

Proteste im Iran: Nichte des Ajatollah sendet Videobotschaft

Ali Chamenei ist als religiöser Führer des Landes das eigentliche Staatsoberhaupt des Iran, zudem ist er Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte. Er ist seit 1989 im Amt und wird dieses bis zu seinem Tod bekleiden. Ein Ende der Amtszeit ist für den iranischen Religionsführer nicht vorgesehen. Und bei seiner Machtsicherung macht er auch vor der eigenen Familie nicht Halt.

Chameneis Schwester Badri Hussein Chamenei war mit dem kürzlich verstorbenen iranischen Scheich Alui Tehrani verheiratet. Der sich nach der Revolution von 1979 gegen eine Regierungsbeteiligung der Geistlichkeit ausgesprochen hatte, und anschließend wegen dieser Haltung verfolgt und später auch inhaftiert wurde. Gemeinsam hatten sie fünf Kinder, eine von ihnen ist Farideh Moradchani, sie wurde nun am 23. November ebenfalls verhaftet und ins berüchtigte Evin-Gefängnis gebracht. 

Zuvor hatte sie eine Videobotschaft gesendet, in dem sie laut CNN die Regierungen der Welt dazu aufgerufen habe, alle Beziehungen zur Regierung in Teheran abzubrechen. Sie wandte sich an die Menschen in freien und demokratischen Staaten: „Seid mit uns und sagt euren Regierungen, dass sie dieses mörderische und kindermordende Regime nicht länger unterstützen sollen.“ 

Zwar ist in vielen Staaten wie Deutschland die Kritik am iranischen Regime groß, breit angelegte Sanktionen gegen die Mullahs gibt es bislang aber nicht. Auch deshalb erklärte Moradchani: „In diesem kritischen Moment der Geschichte, beobachtet die gesamte Menschheit, dass das iranische Volk mit leeren Händen, mit vorbildlichem Mut und Tapferkeit gegen die bösen Mächte kämpft.“ Diese Last würden die Menschen im Iran derzeit alleine tragen. 

Für Moradchani soll es nicht der erste Aufenthalt im Evin-Gefängnis sein. Bereits im Januar soll sie laut CNN bereits einmal dort gesessen haben.

Proteste im Iran: Immer wieder fällt der Begriff Revolution

Die Videobotschaft von Moradchani zeigt, wie breit der Protest gegen das Regime im Iran bereits gestreut ist. Neben Protesten an Schulen und Universitäten oder auf der Straße ist auch immer wieder von Arbeiter-Streiks vor allem in der Region Kurdistan zu lesen. Neben Sportlerinnen und Sportlern, solidarisierten sich zuletzt auch mehrere bekannte Gesichter aus der Unterhaltungsbranche mit den Protestierenden. Auch deshalb sprechen die Menschen im Iran längst von Revolution.

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Das Regime reagiert darauf mit immer größerer Härte. Tageweise wurde das Internet komplett heruntergefahren, in der iranischen Provinz Kurdistan gab es mehreren Berichten zufolge nächtliche Massaker an der protestierenden Bevölkerung. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hrana sind bislang 450 Zivilisten bei den Protesten im Iran gestorben, unter ihnen waren 63 Minderjährige. Zudem wurden mehr al 18.000 Menschen festgenommen. Im Gefängnis droht ihnen Misshandlung, unter Umständen sogar die Todesstrafe.