Die Mehrwertsteuer-Senkung gilt ab 1. Juli, einige Supermärkte senken schon vorab die Preise. Foto: dpa/Oliver Berg

Als die Corona-Krise noch jung und Toilettenpapier und Nudeln knapp waren, da spielten Rotstiftaktionen im Lebensmittelhandel keine große Rolle. Doch das ist Vergangenheit: Der „Geiz-ist-geil“-Geist ist zurück. Der Preiskampf zwischen Supermärkten und Discountern wird seit Wochen härter und steuert auf einen neuen Höhepunkt zu. Der Auslöser: Die im Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung vorgesehene Mehrwertsteuer-Senkung von 1. Juli bis 31. Dezember.

Oft geringer Preisvorteil für die Kunden

„Die Mehrwertsteuersenkung erhöht die Gefahr eines Preiskrieges im Einzelhandel“, ist der Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn überzeugt. Denn die Mehrwertsteuersenkung biete Supermärkten und Discountern einen fast einzigartige Möglichkeit, sich zu profilieren.

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Vorreiter Lidl senkt deshalb schon ab Montag die Preise auf das neue Niveau - mehr als eine Woche vor dem eigentlichen Stichtag. Die SB-Warenkette Globus folgt eine Woche später am 29. Juni. Andere Handelsketten wie dm oder Kaufland halten bisher am eigentlichen Stichtag, dem 1. Juli, fest.

In einem Supermarkt in Wannsee werden die Regale nachgefüllt.
Foto:
Sabine Gudath

Alle großen Handelsketten wie Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl haben bereits angekündigt, die Steuervorteile in vollem Umfang an ihre Kunden weiterzugeben. Doch es gibt große Unterschiede in der Umsetzung. Lidl etwa senkt die Preise bei allen Artikeln und ändert auch die Preisauszeichnung an den Regalen. Der Vorteil: Der Kunde sieht den niedrigeren Preis auf den ersten Blick und wird vielleicht zum Kaufen verlockt. Der Nachteil: Oft ist der Preisvorteil recht gering, beträgt nur wenige Cent. 

Die Drogeriemarktkette dm geht einen anderen Weg. Hier bleiben die Preise an den Regalen unverändert. Der Abzug erfolgt erst an der Kasse. Das erspart Millionenausgaben für die Änderung der Preisschilder an den Regalen, kann aber im direkten Preisvergleich etwa mit Lidl nach hinten losgehen.

In den Regalen eines Supermarkts liegen Obst und Gemüse. Die Handelsketten machen sich jetzt bei den Preisen wieder härter Konkurrenz. Foto: zb/dpa/Jens Büttner

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka wollte sich am Donnerstag „aus Wettbewerbsgründen“ noch nicht zu Details der Umsetzung äußern. Auch Rewe gibt nicht preis, welchen Weg der Konzern bei der Mehrwertsteuersenkung wählen will. Aldi schwieg sich zu seinen genauen Plänen ebenfalls noch aus.

Discounter machten weniger Plus als Supermärkte

Vor allem die Discounter haben zurzeit allen Grund, im Kampf um die Kunden aggressiver zu agieren. Zwar profitierten in den vergangenen Monaten dank der Pandemie alle Lebensmittelhändler vom gestiegenen Konsum in den eigenen vier Wänden und verkauften mehr Fleisch, Obst, Gemüse und auch Seife. Doch schnitten die Discounter dabei merklich schlechter ab als die großen Supermarktketten.

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Während bei Supermarktketten wie Edeka und Rewe die Umsätze im April laut einer aktuellen GfK-Studie um 26 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, verzeichneten die Discounter wie Aldi oder Lidl „nur“ ein Plus von 20 Prozent. Im März war es nicht anders.

Für Aldi, Lidl und Co. ist das ein Stachel im Fleisch. „Die Discounter blasen zur Aufholjagd auf die Supermärkte“, beobachtet die „Lebensmittel Zeitung“. Die Mehrwertsteuersenkung bietet da eine besonders spektakuläre Gelegenheit, das eigene Preisimage zu stärken.