Ein leer gekauftes Supermarktregal: Produkte wie Mehl, Sonnenblumenöl und Toilettenpapier sind bereits Mangelware im Supermarkt. imago

Auf breiter Front steigen die Preise nicht nur für Sprit und Heizöl, sondern auch für Lebensmittel. Vor allem Geringverdiener sind von den massiven Preissteigerungen für Backwaren, Kaffee, Tiefkühlprodukte und weitere Güter des täglichen Bedarfs betroffen. Preistreiber für die Inflation sind zum Teil gestiegene Transportkosten, doch schaut man genauer hin, erhärtet sich der Verdacht: Hier wird mitten in der Krise abgesahnt.

Beispiel Kaffee: Lebensmitteldiscounter Aldi erhöht die Preise für ihre Kaffeeprodukte um bis zu einem Euro. Schaut man auf die Weltmarktpreise für Roh-Kaffee, zeigt sich: diese sind seit Februar massiv gesunken. Statt die günstigeren Preise an die Verbraucher abzugeben, wird nun der Preis erhöht. Direkt betroffen vom Ukraine-Krieg sind Getreide-Produkte: Das von Russland angegriffene Land ist einer der größten Weizen-Produzenten der Welt. Nun können Bestände nicht ausgeliefert, die neue Ernte nicht ausgebracht und eingefahren werden.

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Deutschland importiert so gut wie kein Weizen aus der Ukraine, trotzdem explodieren die Preise

Direkt betroffen sind allerdings nur wenige Importeure in Deutschland, die größten Mengen wurden bislang an Ägypten, Indonesien und andere Länder außerhalb der EU geliefert. Diese müssen sich nun andere Lieferanten suchen. Der Weizen-Weltmarktpreis ist in der Folge zu Kriegsbeginn stark angestiegen, seitdem auch wieder deutlich abgebröckelt.

Experten versichern: Weder Weizen noch andere Lebensmittel auf dem deutschen Markt werden knapp. Ausnahme: Sonnenblumenöl. Dieses kommt ganz überwiegend aus Russland und der Ukraine. Doch in Supermärkten sind teils ganze Regale entleert, weil einige Kunden in Panik Vorräte hamstern. Kommt die neue Ware, steigt häufig auch der Preis. Die Nachfrage ist hoch, also können Geschäfte die Waren auch teurer anbieten.

Supermarktketten mit bis zu 50 Prozent Gewinnmarge

Nun mehren sich die Stimmen derer, die hier systematische Abzocke am Werte sehen. Der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), sieht vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine eine ungerechtfertigte Bereicherung der Supermarktketten auf Kosten der Landwirte. „Während die großen Supermarktketten weiterhin Gewinnmargen von 40 bis 50 Prozent einfahren, können die landwirtschaftlichen Betriebe keine kostendeckenden Preise erwirtschaften“, sagte der Minister am Donnerstag in Schwerin.

Sollten Appelle an die soziale Verantwortung keine Wirkung zeigen, drohte Backhaus mit einem Eingreifen der Kartellbehörden. „Die Kriegsgewinnler aber müssen wir mit allen rechtsstaatlichen Mitteln deutlich in die Schranken weisen“, sagte der Minister. Er verglich die Marktmacht der großen Einzelhändler mit dem Oligopol auf dem Ölmarkt.

Die Lebensmittelhändler sehen diese scharfe Kritik als völlig ungerechtfertigt an. Die Aussage, man sei ein Kriegsgewinnler, weise man klar zurück, sagte ein Sprecher des Handelsverbandes Lebensmittel. Nicht nur engagieren sich seinen Worten zufolge die Mitgliedsunternehmen über die zentrale Koordinierungsstelle des Bundeslandwirtschaftsministeriums für die Geflüchteten in Deutschland, auch Zweigstellen in anderen osteuropäischen Ländern unterstützen die dortigen Behörden demnach bei der Versorgung der Flüchtlinge aus der Ukraine: „Wir helfen, wo wir können.“

Preise waren schon vor Kriegsausbruch angestiegen

Der Sprecher des Verbands zeigte Verständnis dafür, dass die aktuelle Lage die Produktionskosten in die Höhe treibt. Dies werde im Rahmen der Preisverhandlungen zwischen Einzelhandel und Herstellern aber auch weitergegeben. Er verwies hier auf die bereits vor dem Kriegsausbruch gestiegenen Inflationsraten für Lebensmittel.

Auch vom Handelsverband Nord hieß es, man sei mehr als entsetzt über Wortwahl und Inhalt. Der Verband widersprach sowohl dem Vorwurf, dass die Handelsunternehmen vom Krieg in der Ukraine profitieren, wie auch den von Backhaus genannten Gewinnmargen.

Landwirtschaftsminister Backhaus wandte sich aber nicht nur an den Handel, sondern sprach auch eine Mahnung an die Bevölkerung aus, auf Hamsterkäufe zu verzichten. „Hamsterkäufe erzeugen künstliche Engpässe, die wiederum die Preise nach oben treiben. Hier wird eine Spirale in Gang gesetzt, die völlig irrational ist“, so Backhaus. Er bat darum, in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen und – falls nötig – statt Sonnenblumenöl auf Rapsöl zurückzugreifen.