Warum sind die Energiepreise so rasant gestiegen? Und worauf müssen wir uns jetzt bei den Rechnungen einstellen? imago/blickwinkel

Seit Anfang des Jahres steigen internationale Energiepreise rasant. Das liegt vor allem am Gaspreis. Der Großhandelspreis von Erdgas ist zwischen Januar und Oktober um rund 440 Prozent gestiegen. Sie haben richtig gelesen: 440 Prozent! Gas wird genutzt zum Heizen, aber auch zur Stromerzeugung - der fossile Brennstoff hat also auch Einfluss darauf, wie viel Strom kostet. Was Verbrauchern jetzt droht, wie die EU helfen kann, die Kosten wieder zu senken und wie jeder im Alltag bei Storm und Gas sparen kann – ein Überblick.

Warum sind die Energiepreise so rasant gestiegen?

Drei Faktoren spielen eine Rolle: Die Nachfrage steigt wieder, weil sich die Wirtschaft von der Corona-Pandemie erholt. Das Angebot sinkt, weil es in Brasilien, wo viel Strom aus Wasserkraft produziert wird, große Dürren gab. Außerdem war der Winter vielerorts besonders hart, wodurch Reserven geschmälert wurden. Und drittens wurden im Sommer weniger erneuerbare Energie produziert.

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Was bedeuten die hohen Preise für Privat-Haushalte?

Der Preisanstieg spiegelt sich auch in den Strom- und Heizkostenrechnungen von Haushalten wider - auch wenn noch nicht so dramatisch wie im Großhandel. Laut dem Portal Check24 sind die Heizkosten in Deutschland im September im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent gestiegen. Für Strom zahlten Verbraucher 4 Prozent mehr. Allein letzteres verteuere die Stromrechnung des Musterhaushalts um 63 Euro pro Jahr.

Was kann die EU gegen den Energie-Preiswucher tun?

Kurzfristig kann die EU wenig eingreifen, sagen Experten. Es liege bei den Mitgliedstaaten, die sozialen Konsequenzen abzufedern. Langfristig sollte die EU ihr Klimapaket schneller umsetzen, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren, sind sich Experten einig.

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Einige EU-Länder haben bereits Maßnahmen eingeleitet, um Verbraucher zu schützen. Frankreich hat eine Tarifbremse für Strom und Gas angekündigt und will ärmeren Haushalten je 100 Euro zahlen. Italien will 3 Milliarden Euro ausgeben, um Haushalten einen Teil ihrer Strom- und Gasrechnungen zu erlassen, etwa durch Steuersenkungen.

Laut dem Portal Check24 sind die Heizkosten in Deutschland im September im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent gestiegen. Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wie kann man bei Strom sparen?

Stromanbieter-Hopping ist ein beliebtes Hobby unter Schnäppchenjägern. Generell gilt: Der Weg weg vom Grundversorger ist immer sinnvoll und spart mitunter mehrere Hundert Euro. Weil zum einen die tatsächlichen Kosten pro Kilowattstunde geringer ausfallen und zum anderen meist bei Aktionen Bonusrabatte gewährt werden.

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Letzteres ist auch die Idee hinter dem jährlichen Wechsel. Viele Stromanbieter locken mit einem Neukundenbonus und einer Preisbindung für sechs oder zwölf Monate. Erlischt diese, wechselt man zum nächsten Anbieter und sackt den nächsten Neukundenbonus ein. Aber Vorsicht: Zu Tarifen mit besonders günstigen Konditionen und hohen Bonuszahlungen sollte man sich nur dann hinreißen lassen, wenn man sicher ist, dass man rechtzeitig ans Wechseln denkt. Denn bei solchen Angeboten ist die Masche immer gleich: Im zweiten Jahr springt die Stromrechnung um einen zweistelligen Prozentsatz in die Höhe.

Wie kann man beim Heizen sparen?

Schon ein Grad weniger pro Raum (also ein Strich weniger auf dem Thermostat) kann die Heizkosten nach Angaben zahlreicher Portale um sechs Prozent senken. Überlegen Sie sich also gut, ob jeder Raum auf 24 Grad geheizt werden muss. Auch wichtig: Stellen Sie keine Möbel vor die Heizungen, bedecken Sie sie nicht mit Vorhängen.

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Wenn die Heizkörper nicht richtig oder unterschiedlich warm werden und Glucker-Geräusche zu hören sind, ist eventuell Luft im System. So wird mehr Energie benötigt, um einen Raum zu heizen. Abhilfe schafft die schnelle und einfache Entlüftung. Die können Sie selber vornehmen und das spart richtig Geld. Und zu guter Letzt: Wenn niemand zu Hause ist, muss es dort auch nicht wohlig warm sein. Ein Absenken der Temperatur bei Abwesenheit spart Energie. Sie können jedes Heizungsventil einzeln bedienen oder auf technische Hilfe setzen: programmierbare oder vernetzte Thermostate.