Der Zapfhahn eines Heizöl-Tankfahrzeugs steckt im Stutzen eines Hausöltanks. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Berlin - Die Nachricht von der Corona-Infektion von US-Präsident Donald Trump (74) hat die bereits niedrigen Energiepreise weiter gedrückt. Die Auswirkungen spüren auch die Verbraucher in Deutschland. Infoportale wie Esyoil und Heizoel24 geben den Preis mit deutlich weniger als 40 Euro für 100 Liter an. Marktbeobachter sagen aber, dass Trumps Erkrankung nur einer von mehreren Gründen für die Niedrigpreise ist.

„Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden schwachen Weltkonjunktur sind die Energiepreise 2020 deutlich gesunken, dazu kommt seit Juli der niedrigere Mehrwertsteuersatz“, sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal Check24. Trumps Erkrankung kam nun zusätzlich hinzu - nach Einschätzung von Analysten beeinflusst dies den Preis, weil der Präsident ein großer Unterstützer der US-Ölindustrie ist.

Der erkrankte Donald Trump verlässt den Hubschrauber, der ihn in ein Militärhospital gebracht hat. Foto:  dpa/AP/Jacquelyn Martin

Doch andere US-Nachrichten wirken sich noch stärker aus. „Die Einigung über ein Konjunkturpaket in den USA rückte in weite Ferne, und die Zahl der aktiven Bohranlagen in den USA stieg deutlich an“, heißt es in einem Marktkommentar von Esyoil. Hinzu kommt, dass Öl-Förderländer wie Saudi-Arabien, Russland und Libyen zuletzt ihre Exporte gesteigert haben - trotz fehlender Nachfrage.

So fiel der Preis für Öl der Nordseemarke Brent jetzt auf den niedrigsten Stand seit Mitte Juni. Gezahlt werden mussten weniger als 40 US-Dollar für ein Barrel (159 Liter), nachdem Trumps Erkrankung bekannt geworden war - und das hat Auswirkungen auf Deutschland. „Auf dem heimischen Heizölmarkt nehmen die Anbieter den Weltmarktimpuls umgehend auf“, heißt es bei Heizoel 24. Um bis zu einen Cent je Liter hätten die Anbieter die Preise gesenkt. Doch gab es demnach regionale Unterschiede - während etwa in Hamburg die Verbraucherpreise deutlich nachgaben, blieben sie in Hannover weitestgehend stabil.

Preis so niedrig wie seit zehn Jahren nicht

Dennoch: Die Heizölpreise seien so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr, teilen die Vergleichsportale Check24 und Verivox mit. Nach Check24-Berechnungen kosteten 2000 Liter Heizöl im September im Schnitt 770 Euro. Laut Heizoel24 war es sogar der günstigste September der vergangenen 17 Jahre.

Die Heizölbestellungen seien zwar im Vergleich zum August in die Höhe geschossen. Doch der konstant niedrige Preis hat Nachteile für die Händler. „Die Tanks sind bereits voll, und das Auftanken zum Schnäppchenpreis schlicht nicht möglich“, heißt es bei Heizoel24 weiter. Offenbar hätten viele Kunden zudem noch gut gefüllte Lager - die durchschnittliche Bestellmenge je Haushalt sei im Vergleich zum August um 150 Liter auf rund 2300 Liter gesunken.

Experten-Prognose für 2021

Verivox-Energieexperte Thorsten Storck mahnt, die Lage könne sich zum Jahreswechsel ändern. „Im kommenden Jahr wird der CO2-Aufpreis dann Heizöl deutlich teurer machen.“ Deutschland führt 2021 einen Preis für Kohlendioxid aus dem Straßenverkehr und Heizungen ein: Dann müssen Unternehmen, die Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas in Verkehr bringen, Verschmutzungsrechte kaufen. Geplant ist ein Festpreis von 25 Euro je Tonne CO2, der dann schrittweise steigt.

Doch erst einmal werden die Energiepreise weiter fallen, wie Analysten betonen. „Die Krise im Weißen Haus verstärkt diesen Trend nur“, heißt es bei Esyoil. „Im Moment sieht es danach aus, dass nur ein Abflauen der Pandemie oder die nahe Verfügbarkeit eines Impfmittels den Ölmarkt aus seinem Abwärtstrend reißen kann. Heizöl könnte daher noch für viele Wochen billig bleiben.“